Sport : Die Normalos

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Die neue Saison der Fußball-Bundesliga beginnt am 9. August. Anhand von zehn Fragen stellen wir bis dahin alle 18 Vereine vor.

Wer hat das Sagen? Den Boss in Rostock nimmt kaum jemand wahr. Der Mann arbeitet im Hintergrund. Horst Klinkmann ist Hansas Aufsichtsratsvorsitzender. Kernige Sprüche sind von ihm nicht zu hören. Wenn etwas intern angesprochen wird, bleibt es intern. Manfred Wimmer ist Vorstandsvorsitzender, Rainer Jarohs sein Vize. Herbert Maronn leitet die Lizenspielerabteilung. Er kümmert sich mit Jarohs um die sportlichen Belange.

Was ist das Besondere? Das Image, einziger Ost-Klub in der Bundesliga zu sein, ist dahin. Hansa sieht sich eher als norddeutsches Team. Selbst die Stadt Rostock gilt nach einer Umfrage des Magazins „Focus“ längst nicht mehr als typische Oststadt. Trainer Armin Veh klagt: „Wir haben kein Image.“ Horst Klinkmann sagt: „Mir fehlt der Spaß in Rostock.“ Früher war Hansa Kult im Osten, einfach sympathisch. Heute ist der Verein nur normal. Dieses Image will Hansa loswerden. Ein Neues ist aber auch nicht in Sicht.

Was hat sich verbessert? Finanziell nichts, sportlich einiges. Lange hatte die Mannschaft kein Gesicht, kaum einen Charakterkopf. Alle waren nur nett und sympathisch. Mit Thomas Meggle kommt vom FC St. Pauli ein Mann, der sehr gut Fußball spielen kann und auch ein Typ ist. Von alten Helden hat sich Hansa getrennt: Bräutigam, Weilandt, Baumgart. „Mit älteren Spielern spielst du langsameren, unattraktiveren Fußball. Es war Zeit für einen Generationswechsel“, sagt Aufsichtsratschef Klinkmann.

Wie sicher ist der Trainer? Als Trainer Armin Veh im Frühjahr wegen angeblich fehlender Autorität von der „Bild“-Zeitung attackiert wurde, kommentierte Hansas Vorstand das nicht einmal. „Wir sind denen zu langweilig“, sagt Klinkmann. „Aber Norddeutsche taugen nun einmal nicht zum Hollywood-Star.“ Der Trainerposten dürfte sicher sein. Bedingung: „Wir wollen nichts mit dem Abstieg zu tun haben, und das möglichst bald“, sagt Klinkmann.

Wie passen die Neuen? Kein Verein hat seinen Kader so verändert wie Hansa: Neun Spieler hat Veh geholt. „Alle sind Wunschspieler des Trainers“, sagt Klinkmann. Godfried Aduobe, den Veh aus Reutlinger Tagen kennt, wird wohl auf der linken Außenbahn spielen, Meggle, bislang Spielmacher beim FC St. Pauli, im offensiven Mittelfeld. Jochen Kientz, ebenfalls St. Pauli, wird wohl mit Gerd Wimmer rechts in der Viererkette spielen. Wimmer, ein Österreicher, kommt ablösefrei von Eintracht Frankfurt. Er tönt: „In Frankfurt habe ich die rechte Außenbahn von hinten bis vorn allein beackert.“ Rade Prica von Helsingborg könnte ein Glücksgriff sein: Der kroatische Stürmer (22) ist mit 2,2 Millionen Euro Ablöse der teuerste Spieler der Vereinsgeschichte. „Er ist mehr als ein Talent“, sagt Veh. Prica unterschrieb bis 2006.

Welche Taktik ist zu erwarten? Veh tendiert zu zwei Viererketten und zwei Stürmern. Wird offensiver gespielt, dann 4-3-3. Lantz wird im zentralen Mittelfeld defensiver, Meggle übernimmt den offensiven Job.

Wer sind die Stars? Hansa hat keine Stars. Höchstens Andreas Jakobsson. Aber der redet nie. Der Schwede Jakobsson ist Hansas Abwehrchef und war überraschend WM- Stammspieler – als erster Hansa-Spieler nach Gerd Kische 1974. Meggle könnte eine Art Star werden. Bei St. Pauli hat er zehn Tore geschossen und vier vorbereitet.

Wie wird der Mangel verwaltet? Läuft da was mit Opel? Hansa Rostock hat noch keinen Hauptsponsor. „Wir stehen mit mehreren Unternehmen in Verhandlungen. Es eilt aber nicht“, sagt Aufsichtsratschef Klinkmann. Das Unternehmen soll langfristig mit Hansa zusammenarbeiten, und in der Region etwas zu tun haben. Durch die Kirch-Krise sind etwa drei Millionen Euro verloren gegangen. „Diese Summe gleichen wir durch ein Sparkonzept aus.“ Wie? „Vor allem im Verwaltungsbereich, nicht aber bei den Profis.“ Trainer Veh sagt: „Wir haben hier eh keine Millionäre.“ Hansa will das Ostsee-Stadion vermarkten: Konzerte könnten dort stattfinden oder Messe-Veranstaltungen. Die jährlichen Rückzahlungen für das Stadion? „Das Projekt ist durchfinanziert“, sagt Klinkmann. Die Belastungen könne der Verein tragen. Immerhin wurden 13 Spieler von der Gehaltsliste gestrichen. Aber: Hansa hat keine Transfereinnahmen. Der Etat liegt bei 30 Millionen Euro. Hansa verfügt über Sicherheiten: „Immobilien“, sagt Klinkmann.

Was gibt das Stadion her? Das neue Ostseestadion wurde an alter Stelle vor einem Jahr eingeweiht. Kapazität: 30 000, davon 20 000 Sitzplätze. Zudem hat das Stadion 1000 Business-Plätze und 26 VIP-Logen.

Wie sind die Fans? Rostock ist nicht gleich Lichtenhagen, wo Anfang der Neunziger ein Ausländerwohnheim attackiert worden war. Und trotzdem wird Hansa oft mit rechten Schlägern in Verbindung gebracht. „Wir kämpfen gegen diesen Ruf an“, sagt Klinkmann. Die Rostocker haben einige wenige sehr engagierte Fans, die ihr Fanprojekt selbst verwalten. Die Masse aber fehlt, die Zuschauerzahlen haben abgenommen. Hansa kalkuliert mit 16 000 Zuschauern. „Die Leute haben weniger Geld“, sagt Klinkmann. „Das spüren wir hier im wirtschaftlich schwächeren Nordosten.“ Nicht nur Händler und Hoteliers, auch die Fußballer hoffen auf schwedische Kurzurlauber: In der vergangenen Saison kamen pro Heimspiel tausend schwedische Fans ins Ostseestadion. „In dieser Saison erwarten wir noch ein paar hundert mehr“, sagt Klinkmann. Schwedische Zeitungen berichten über Hansa und die sechs Schweden im Team. „Das Konzept geht auf“, sagt Klinkmann. Eine Homepage auf Schwedisch soll es bald geben. André Görke

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