Sport : Die Null ist das Ziel

Stuttgarts Torhüter Hildebrand ist seit 645 Minuten ohne Gegentor und somit auf Rekordkurs

Martin Hägele

Stuttgart. Timo Hildebrand ist der Mann der Stunde in der Fußball-Bundesliga. Noch 158 Minuten muss er das Tor des VfB Stuttgart ohne einen Gegentreffer halten, dann könnte er den Rekord brechen, den bislang Oliver Kahn hält. 803 Minuten lang hat der Torhüter im Kasten des FC Bayern München in der vergangenen Saison jeden Ball pariert, der auf ihn zugeflogen kam. Für diese Marke fehlen Hildebrand noch eindreiviertel Spiele, er könnte sie am nächsten Samstag in der Schlussphase des Heimspiels gegen den 1. FC Köln übertreffen. Nach sieben Spieltagen ist der VfB Stuttgart die einzige Mannschaft ohne Gegentor in Deutschlands bezahltem Fußball. Für den 24-jährigen Torhüter Timo Hildebrand hat die Null inzwischen eine besondere Bedeutung.

Heute, beim Stuttgarter Gastspiel im Münchner Olympiastadion, spielt die Null hinterm VfB Stuttgart allenfalls psychologisch eine Rolle. Sollte Felix Magaths Team gegen 1860 München nämlich in Führung gehen, „dann fällt dem Gegner automatisch ein, gegen die hat ja noch keiner ein Tor geschossen“. Teamchef Magath lobt den Torhüter als Paradebeispiel für den Stilwandel seiner jungen Mannschaft. „Timo hat sowohl sportlich als auch in seiner Persönlichkeit den größten Sprung von allen gemacht“, sagt Magath. „Er hat den Schritt vom Talent zum Leistungsträger geschafft.“ Der Wandel vom großen Jungen zum verantwortungsvollen Mann vollzog sich in diesem Sommer, in dem die meisten Deutschen Urlaub zu Hause machten. Hildebrand hat sich nur ein paar Tage bei den Eltern in Lampertheim gegönnt und zwischen ein paar Kurztrips mit oder zu Freunden ein ehrgeiziges Trainingsprogramm auferlegt. Im Kraftraum trainierte er sich drei Kilo Muskeln an.

Zum Saisonauftakt erschien Hildebrand nicht nur optisch verändert und mit stärkerer Statur. Entscheidend sei vielmehr gewesen, wie er auf die berufliche Herausforderung reagiert habe.

Es war eine ganz bewusste Umstellung, sagt Hildebrand. Er habe während der letzten Halbserie wegen einer langwierigen Verletzung und einer Viruserkrankung über eine neue Lebensgeschichte nachgedacht. Und er sei bei dieser Neuorientierung nicht nur vom Trainer Magath, sondern auch aus seinem Umfeld, der Familie, dem Freundes- und Bekanntenkreis, unterstützt worden. Beim VfB wähnen sie ihn vor einer ganz großen Karriere. Von den technischen Fähigkeiten her gebe es in Europa nur noch einen Torhüter, der es mit Hildebrand aufnehmen könne, sagt Jochen Rücker, der Torwarttrainer des VfB. Und zwar: Edwin van der Sar, die Nummer eins von Holland.

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