Sport : Die Nummer eins verliert

Die Play-offs im Eishockey starten mit einer Überraschung: Die Eisbären unterliegen Krefeld mit 2:4

Claus Vetter

Berlin – Das Bild, das sich gestern Abend den Zuschauern im Sportforum Hohenschönhausen nach dem Erklingen der Schlusssirene bot, war ein überraschendes. Nach dem ersten Viertelfinalspiel um die deutsche Eishockey-Meisterschaft verließen die Herren in den blauen Trikots mit hängenden Köpfen das Eis, während sich die Männer in Gelb bei ihrem Torwart Robert Müller für eine sehr gute Leistung bedankten. Die Eisbären haben beim 2:4 (0:2, 0:2, 2:0) gegen Außenseiter Krefeld Pinguine einen Fehlstart in die Play-offs erwischt. Nach der Niederlage sind die Berliner ebenso viele Siege vom Erreichen des Halbfinales entfernt wie vor dem Spiel – nämlich vier. So viele Erfolge sind nötig, um die nach dem Modus „Best of Seven“ ausgetragenen Serie erfolgreich zu beenden.

Wenn die Eisbären allerdings am Freitag beim zweiten Spiel in Krefeld so spielen wie gestern, könnten die Play-offs für den Deutschen Meister zu einem kurzen Abenteuer werden. Von der ersten Spielminute an wirkten die Berliner unkonzentriert und nervös. Und das gegen einen Gegner, der eher biedere spielerische Mittel bemühte und keinesfalls große Eishockeykunst zelebrierte. Symptomatisch für die Verunsicherung der Eisbären war eine Szene, in der Stefan Ustorf freistehend den Puck nicht ins leere Krefelder Tor schob, sondern das Spielgerät dem bereits neben dem Tor liegenden Krefelder Keeper Müller in die Arme schoss.

Zum Zeitpunkt von Ustorfs Aktion waren die 4000 Zuschauer schon 39 triste Spielminuten lang mit einem schwachen Spiel gequält worden. In einer für ein Play-off-Spiel sehr körperlos geführten Partie hatten die viel zu unkoordiniert agierenden Eisbären schon früh das 0:1 kassiert. Als sich alle Berliner Spieler zumindest in der Nähe des Krefelder Drittels befanden, spielte Torwart Müller seinem vorgerückten Mitspieler Herberts Vasiljevs über Bande den Puck zu. Der Lette überwand wenig später den allein gelassen Berliner Torwart Tomas Pöpperle mit einem schönen Trick. Fortan wirkte das Spiel der Eisbären noch zäher, und nachdem seine Vorderleute alle schon mindestens einen Patzer hinter sich hatten, sah auch Pöpperle weniger gut aus: Ein Distanzschuss von Ted Drury trudelte am Schoner des Berliner Torwarts vorbei ins Tor.

„Wir haben zu viel gewollt und sind den Krefeldern ins offene Messer gerannt“, sagte Ustorf, „sie haben unsere Geschenke dankbar angenommen.“ Von dem 0:2-Rückstand nach dem ersten Drittel erholten sich die Berliner nicht mehr. Nach zwei Toren von Rob Guillet nahm die Berliner Niederlage im zweiten Abschnitt deutliche Dimensionen an. Erst acht Minuten vor Schluss gelang Kelly Fairchild bei 6:4-Überzahl das 1:4 – Pöpperle war zuvor zugunsten eines Feldspielers vom Eis gegangen. In gleicher Konstellation traf Mark Beaufait sogar noch zum 2:4. „Die letzten beiden Tore waren wichtig“, sagte Ustorf, „damit der Gegner sieht, dass wir uns nicht aufgeben.“

Öfter aber konnten die Eisbären Müller nicht bezwingen. Der Krefelder Torwart hatte sich vor dem Spiel auf die Eisbären gefreut. „2003 habe ich in der Halbfinalserie gegen Berlin die beste Leistung meiner Karriere gezeigt“, hatte Müller gesagt. Im Jahr 2003 wurden die Krefelder Deutscher Meister, nachdem sie die Eisbären in den Play-offs bezwungen hatten. Gestern musste Müller gegen die schwachen Berliner, die erst in der Schlussphase ins Spiel fanden, nicht sein bestes Spiel machen.

Die Play-offs der DEL haben also mit einer Überraschung begonnen. Allerdings ist die Viertelfinalserie für die Eisbären nach einer Niederlage noch nicht vorbei, und zumindest die Statistik haben die Berliner auf ihrer Seite: Noch nie in zwölf Jahren DEL-Geschichte hat sich der Tabellenachte gegen die nach der Hauptrunde erstplatzierte Mannschaft durchgesetzt. Viel mehr aber spricht nach dem gestrigen Spiel nicht für den Tabellenersten aus Berlin.

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