Sport : Die Rache gelingt

Alba schlägt Ulm nach zwei Verlängerungen 102:91

Helen Ruwald

Berlin - Mit Verlängerungen hat Alba Berlin viel Erfahrung. Im Uleb-Cup schlugen die Basketballer Bosna Sarajevo nach fünf Zusatzschichten, vergangenen Sonnabend gelang das 100:99 beim Vorletzten Trier ebenfalls erst in der Verlängerung. Gestern musste Alba wieder länger auf dem Parkett bleiben. Im Pokal-Viertelfinale gegen ratiopharm Ulm lag Alba 15 Sekunden vor Ende der ersten Verlängerung 78:82 zurück, ehe Julius Jenkins die Nerven behielt und drei Freiwürfe verwandelte. 8,3 Sekunden vor der Schlusssirene warf Bobby Brown sein Team in die zweite Verlängerung. Der Held des Abends hieß Julius Jenkins: Er traf drei Dreier in Folge, Alba siegte 102:91 (70:70, 43:36) nach der zweiten Verlängerung und zog in die Pokalendrunde Anfang Mai in Hamburg ein. Dijon Thompson war mit 27 Punkten Topscorer der Berliner.

Die Fans tobten nach dem nervenaufreibenden Pokalabend, dabei waren sie an ihrem Team lange verzweifelt.

Drei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit waren Ulms Ersatzspieler schreiend von der Bank aufgesprungen. Jeff Gibbs hatte ihr Team 67:65 in Führung gebracht, Ulm zum dritten Mal in knapp 40 Minuten einen hohen Rückstand aufgeholt. Kurz danach vergab Albas Kapitän Patrick Femerling zwei Freiwürfe, Ulm verwandelte drei von vier. Dann nahm das Drama seinen Lauf. In letzter Minute glich Bobby Brown unter dem Aufschrei der meisten der 5655 Fans mit einem Dreipunktewurf zum 70:70 aus. Verlängerung, bei Ulm saßen Joyce (16 Punkte) und Finn wegen des fünften Fouls schon auf der Bank.

Ulms Trainer Mike Taylor war auf alles gefasst gewesen. „Ich erwarte, dass Alba aufs Parkett kommt und bereit ist, uns zu töten“, hatte er gesagt. Rache wolle Alba nehmen für die 90:94-Heimniederlage in der Bundesliga gegen Ulm vor zehn Tagen an selber Stelle. Danach hatte Albas Geschäftsführer Marco Baldi die Einstellung der Mannschaft scharf kritisiert. „Die letzte Entschlossenheit war nicht zu sehen. Das kann nicht sein“, hatte er gesagt. Gestern begannen die Berliner hingegen sehr entschlossen und führten nach rund zweieinhalb Minuten bereits 12:2, sieben Punkte davon steuerte Dijon Thompson bei. Souverän bauten die Gastgeber die Führung auf 19:5 aus, die peinliche Niederlage aus der Bundesliga war vergessen – allerdings nur kurz.

Auch am vorletzten Wochenende hatte Alba mit elf Punkten Vorsprung geführt und doch noch verloren. Gestern wurde Alba einmal mehr dem Ruf gerecht, nach einer Führung in beliebiger Höhe doch wieder in Rückstand geraten zu können. Dass die Ulmer gute Distanzschützen sind, hatten die Berliner schon beim letzten Aufeinandertreffen zu spüren bekommen. Gestern glichen die Gäste, die bei Würfen unter dem Korb klar schlechter waren, mit vier Dreipunktewürfen kurz hintereinander zum 24:24 aus. Zweimal traf der erst vergangene Woche verpflichtete Romeo Travis, zweimal Bryan Lucas. Fünfmal hatte er vor zehn Tagen aus der Distanz getroffen, besseres Deckungsverhalten war bei Alba gestern dennoch in dieser Phase nicht zu sehen. Unmittelbar danach wurde der völlig wirkungslose Julius Jenkins ausgewechselt, für ihn kam Thompson zurück. Spektakuläre Dreier auf beiden Seiten prägten in der Folge das Spiel: Zunächst traf Thompson, dann brachte Ulms Konrad Wysocki den Ball von der Ecke aus mit einem unglaublichen Wurf im Korb unter. Die Gäste-Führung drehte Albas Spielmacher Bobby Brown mit einem Dreier mit der Sirene. Er war das Aufbrauchsignal für den Bundesliga-Dritten, der kurz vor der Pause wieder zehn Punkte Vorsprung hatte. Typisch für Alba in dieser Saison, baute man die Gäste wieder auf, die nach 22 Minuten zum 43:43 ausglichen.

Ein drittes Mal zog Alba davon (58:49), ein drittes Mal konterte Ulm. Doch es reichte zum Sieg – dem ersten im dritten Spiel gegen Ulm in dieser Saison.

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