Sport : Die Rückkehr des Ausgestoßenen

In der neuen Handball-Nationalmannschaft soll Frank von Behren eine zentrale Rolle übernehmen

Erik Eggers[Borlänge]

Die Schnelllebigkeit des Leistungssports hat Handballprofi Frank von Behren in den vergangenen Monaten am eigenen Leibe erfahren. Als der 28-jährige Rückraumspieler vom VfL Gummersbach im Januar kurzfristig seine Teilnahme an der Europameisterschaft absagte, stand er nach dem ersten deutschen Titel seit 1980 als einziger Verlierer da.

Er galt danach, weil die Mannschaft sich im Stich gelassen fühlte, als Ausgestoßener des deutschen Handballs. Stefan Kretzschmar prophezeite, dass von Behren „nie wieder ein Länderspiel machen“ werde. Ein tiefer Fall. War er doch zwischen 2000 und November 2002 Kapitän der Nationalmannschaft gewesen. Heute, da es beim World Cup in Schweden um den Neuaufbau der deutschen Handball-Nationalmannschaft geht (das erste Gruppenspiel gegen Island gestern war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet), haben sich die Verhältnisse geändert: Von Behren zählt plötzlich wieder zu den wichtigsten Säulen im Konzept von Bundestrainer Heiner Brand.

„Auf einmal bin ich der Zweitälteste“, hat der 1,97 Meter große Rechtshänder beim Blick auf den jungen Kader (24,1 Jahre im Schnitt) fast ein wenig ungläubig erkannt, „das ist interessant, auf einmal zu den Erfahrenen zu gehören“. Nur sein Freund Daniel Stephan (31) ist älter, gemeinsam mit Rechtsaußen Florian Kehrmann (27) werden die drei Routiniers mit jeweils über 100 Länderspielen nun als Vorbild wahrgenommen. Für von Behren kein Problem: „Das ist man doch immer“, sagt er. „Eine Reise ins Ungewisse“ nennt er den Trip nach Schweden angesichts der langen Verletzungsliste.

Wie wichtig er dieses Turnier nimmt, verraten seine ehrgeizigen Ziele: Er ist nicht bereit, die im Januar beginnende WM 2005 als Test für die WM 2007 in Deutschland herzuschenken. „Auf die jungen Spieler zu bauen, ist der richtige Weg“, sagt der 116-fache Nationalspieler. Und glaubt dennoch, „dass es keinen großen Leistungseinbruch geben wird“ – trotz der Rücktritte von Kretzschmar, Schwarzer & Co. Bei der Umsetzung dieses hohen Anspruches wird er eine Schlüsselrolle spielen. Er soll, gemeinsam mit Jan-Olaf Immel, im Deckungszentrum Zerbe und Petersen nachfolgen.

Das bemerkenswerte Selbstbewusstsein, das von Behren vermittelt, hat Gründe. Der gebürtige Ostwestfale ist dieses Jahr Vater geworden und fühlt sich „wirklich sehr wohl in Gummersbach“, wo er seit 2003 spielt. Zudem zeigt er beim VfL derzeit konstant überdurchschnittliche Leistungen. Vor allem aber ist „diese Geschichte aus dem Januar“, wie er sie nennt, „längst abgehakt“. Damals fühlte er sich noch nicht fit genug, „der Mannschaft weiterzuhelfen“, da sein Knie nach einem Rückschlag just erst wieder auskuriert war. Vor allem Stephan zeigte sich seinerzeit schwer enttäuscht, „weil wir auf einem Zimmer lagen und ich ihm nichts gesagt hatte“, erzählt von Behren. Aber der Entschluss habe festgestanden. Schon vor den Olympischen Spielen, zu denen er nach Pascal Hens’ Verletzung nachnominiert wurde, war die Sache vergessen. „Ich fühle mich so, als sei ich wieder zu Hause angekommen“, sagte er nach dem dramatischen Viertelfinale gegen Spanien.

Nun ist er vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land auch als Verkäufer des Handballs gefordert. „Die Pressearbeit gehört dazu“, sagt der Mann mit der Rasta-Frisur. Doch viele Anfragen von Radio- und Fernsehstationen lehnt er ab. „Das lenkt zu viel ab.“ 2007 will Frank von Behren in Deutschland schließlich Weltmeister werden.

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