• Die Rückkehr nach Silverstone weckt Erinnerungen an einen schweren Unfall mit glücklichem Ausgang

Sport : Die Rückkehr nach Silverstone weckt Erinnerungen an einen schweren Unfall mit glücklichem Ausgang

Karin Sturm

Michael Schumacher und Silverstone - da werden Erinnerungen wach, Erinnerungen an einen Ferrari, der nahezu ungebremst in einen Reifenstapel raste und - für Augenzeugen war das wie ein Wunder - mit Beinbrüchen davonkam. Das war 1999 beim Großen Preis von England. Am Sonntag fährt Michael Schumacher wieder ein Formel-1-Rennen in Silverstone, und nicht nur seine Fans fragen sich. Wie wird er das Wiedersehen verarbeiten?

Schumacher gibt sich gelöst: "Ich habe damit kein Problem. Der Unfall ist ja damals auf Grund eines technischen Defekts an den Bremsen passiert. Das haben wir im Nachhinein geklärt. So etwas kann überall vorkommen, das hat ja mit der Strecke von Silverstone nichts zu tun." Die ersten drei Rennen der laufenden Formel-1-Saison hat er in seinem Ferrari gewonnen, am Sonntag soll in England Nummer vier folgen. Diesen Anspruch hat er mit seinen Bestzeiten bei den jüngsten Testfahrten untermauert.

Heute bemüht sich Schumacher, so normal und unkompliziert wie möglich mit dem Unfall und der inzwischen völlig überwundenen Verletzung umzugehen. Schließlich habe er von dem Unfall sogar profitiert, vor allem mental: "Ich hatte einen tollen, entspannenden Winter. Durch so eine lange Pause wird man wieder freier im Kopf."

Das sah in den ersten Tagen nach dem Crash noch ganz anders aus. Engen Freunden hat Schumachers Ehefrau Corinna einmal erzählt, es habe eine Woche gedauert, bis ihr Mann über ein Erlebnis reden konnte, das in der Außenwelt praktisch niemand mitbekommen hatte und über das er bis jetzt öffentlich nie wirklich gesprochen hat. Kurz nachdem die Ärzte ihn damals auf einer Trage zum Krankenwagen gebracht hatten, erlitt Schumacher durch den Unfallschock ein totales Kreislaufversagen, quasi einen Herzstillstand, spürte plötzlich, wie ihm alles entglitt, er nichts mehr tun konnte.

Die begleitenden Ärzte bekamen das Problem zwar durch die richtige Spritze sofort in den Griff. "Aber da war dieser Schreck darüber, dass ich mich absolut ausgeliefert fühlte." Dieser Schreck hatte Schumacher erst einmal tief getroffen, aber er hat ihn offensichtlich verarbeitet. Freunde sagen, der Unfall habe den Mensch Michael Schumaher verändert, er verfüge jetzt über ein anderes Wertesystem als in der Zeit vor Silverstone. So ist es vielleicht nicht nur der Erfolg allein, der den Michael Schumacher des Jahres 2000 oft etwas lockerer und offener erscheinen lässt als den vergangener Jahre.

In dieser Verfassung ist Schumacher nach Silverstone gefahren. Sorgen machen ihm allenfalls die Sicherheitsbedingungen in jener Kurve, in der sein Ferrari damals in die Reifenstapel krachte. Bei den Testfahrten hob Ricardo Zonta an gleicher Stelle ab und wurde über Reifenstapel und Leitplanke katapultiert. So hofft Schumacher also, dass Gespräche mit den Verantwortlichen nun bis zum Rennwochenende fruchten und "dass dort noch etwas verändert wird".

Eine andere Kraftprobe mit dem Weltverband FIA hat er schon gewonnen. Auch auf Schumachers Intervention hin wurde das Verbot der Geschwindigkeits-Begrenzer wieder aufgehoben. Mit diesem Verbot sollte ausgeschlossen werden, dass die Teams das Messgerät dafür nutzen, eine verbotene Traktionskontrolle zu installieren, die das Durchdrehen der Räder beim Beschleunigen verhindern soll. Die Testfahrten in Silverstone zeigten jedoch, dass ein Verbot des Tempomats ein Sicherheitsrisiko sein kann. Einige Fahrer hatten ihre Konzentration mehr auf die Geschwindigkeits-Messung gelegt und so teilweise Halte-Signale übersehen.

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