Sport : Die Sparsamen

In 18 Tagen durch die Liga (13). Heute: Werder Bremen

Frank Hellmann

Die neue Saison der Fußball-Bundesliga beginnt am 1. August mit dem Eröffnungsspiel zwischen dem FC Bayern München und Eintracht Frankfurt. Bis zum Start beantworten wir die wichtigsten Fragen zu den 18 Vereinen.

Wer hat das Sagen? Der Sparzwang. Sparsamkeit ist oberstes Gebot bei Aufsichtsratsboss Jürgen L. Born sowie den Vorständen Klaus-Dieter Fischer und Manfred Müller. Das Vorstands-Trio, das den Einstieg von Fernsehmoderator Jörg Wontorra erfolgreich blockierte, bildet hinter den Kulissen den machtvollen Gegenpol zum Sportdirektor Klaus Allofs, der das Gehaltsniveau der nicht mehr ganz so solide wirtschaftenden Hanseaten (mehr 25 Millionen Euro Personalkosten) ins obere Liga-Drittel getrieben hat. Auch deshalb fordert Allofs: „Die Uefa- Cup-Qualifikation ist Pflicht.“

Was ist das Besondere? Das Trikot. Die Bremer, die in der Post-Rehhagel-Ära immer mehr im Mittelmaß zu versinken drohen, haben zumindest das grellste Outfit der Liga: grüner Rumpf mit orange Ärmeln. Der Aufschrei unter den Traditionalisten war groß. Auffallen um jeden Preis – das war bisher nicht als bremische Masche bekannt.

Was hat sich verbessert? Wenig, weil die Korrekturmöglichkeiten von wirtschaftlicher Notwendigkeit beschnitten waren. Manager Allofs hätte gerne mehr Befugnisse gehabt, das Ensemble umzubauen. Allein den quengeligen Frank Verlaat, dessen Vertrag auslief, konnten die Bremer als Großverdiener von der Gehaltsliste streichen.

Wie sicher ist der Trainer? Wann immer im Weserstadion der Ball nicht so gelaufen ist, wie gewollt, sprechen sich Thomas Schaaf und Klaus Allofs kurz ab. Trainer und Sportdirektor ziehen sich vor der Pressekonferenz allein zurück auf eine Ersatzbank und bereden, was nachher offiziell zu verkünden ist. Im ersten Halbjahr 2003 ist derlei Krisen- Management ziemlich oft vorgekommen, schließlich verspielte Werder die glänzende Ausgangsposition der Vorrunde (Platz drei) mit einer Furcht erregenden Rückrunde (nur 19 Punkte). Als Ur-Werderaner besitzt Schaaf einen gewissen Bonus, und doch wird sich eine solche Bilanz wie in der Rückrunde nicht mehr allzu oft wiederholen dürfen.

Wie passen die Neuen? Dank seiner Frankreich-Kenntnisse holte der einst als Spieler in Bordeaux beschäftigte Allofs von Racing Straßburg Abwehrspieler Valérien Ismael (28), dazu von Galatasaray Istanbul den WM-Teilnehmer Ümit Davala (29) nach Bremen. Beide gelten als leicht integrierbar und vielseitig verwendbar, vor allem in hinteren Regionen. Der dritte Neue ist ein alter Bekannter: Torwart Andreas Reinke (34) kam ablösefrei vom spanischen Erstliga-Aufsteiger Murcia und soll sofort spielen.

Wie wird gespielt? Thomas Schaaf plant, die Abwehr umzustellen. Seine Mannschaft soll künftig hinten mit Viererkette spielen. Die beiden Neuen Ismael und Davala spielen bei diesen Planungen eine wichtige Rolle.

Wer sind die Stars? Der Brasilianer Ailton und der Franzose Micoud verhalten sich wie typische Stars – sie sind schwierig. Ailton will einen Tag eine Bar in der Bremer Innenstadt eröffnen, am nächsten nach Piräus wechseln, dann seine mexikanische Freundin heiraten: Bisher hat nichts davon geklappt.

Was gibt das Stadion her? Werder hat jetzt ein echtes Fußballstadion. Die Laufbahn ist weg, und die Kapazität ist nun auf 42 806 Plätze erhöht worden. Mehr werden es nicht mehr.

Wie sind die Fans? Trotz der grausamen Rückrunde genießt der Verein in der Region große Wertschätzung. Die 32 804 Zuschauer im Schnitt waren Rekord der Werder-Historie. Die Zahl der verkauften Dauerkarten ist – entgegen dem Ligatrend – allerdings zurückgegangen.

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