"Die Spiele im Herzen" : München startet in die Bewerbung um Winterspiele 2018

Mit einem Konzept aus Tradition und Nachhaltigkeit geht München in das Rennen um die Olympischen Winterspiele 2018. Die bayerische Landeshauptstadt will dieses Mal ein Wintermärchen schreiben.

Gregor Haschnik
München Olympia
Die bayerische Landeshauptstadt München bewirbt sich für die Winterspiele 2018. -Foto: dpa

HamburgErst reckten sie ihre Abstimmungskarten in die Höhe, dann erhoben sie sich und klatschten laut Beifall. Und zwar alle. Überaus einig waren sich die Delegierten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) auf ihrer Mitgliederversammlung in Hamburg und schickten München ins Rennen um die Olympischen Winterspiele 2018. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) sprach von einem "Traumergebnis", der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) vom Funken, der übergesprungen sei, und der Präsident des DOSB, Thomas Bach, von einer "Initialzündung" sowie einer "begeisterten Atomsphäre" im Saal. Das Münchener Konzept, das unter dem Motto "Die Spiele im Herzen" steht, hatte die Delegierten überzeugt - auch dank des emotionalen Bewerbungsfilms.

Darin schlängelt sich zunächst ein Band durch München und seine Bürger hindurch und weckt den olympischen Geist: Auf den Mauern der Frauenkirche erscheinen Bilder vom Skispringen, mitten in der Stadt fahren die Menschen Schlittschuh - und im Hofbräuhaus frieren die Bierkrüge fest. Dann zieht die Schleife weiter nach Garmisch-Partenkirchen und Schönau am Königssee, wo 2018 neben München die Wettkämpfe stattfinden sollen und wickelt die beiden Gemeinden mit der olympischen Idee ein. Passend dazu eine Übersichtskarte, die später auf der Leinwand erscheint. Darauf verbindet eine rote Linie die drei Veranstaltungsorte - und formt dabei ein Herz.

Umweltbewusstsein endet nicht am letzten Wettkampftag

"München ist weltweit für seine Offenheit und Herzlichkeit bekannt", sagte Ude. Die Münchner setzen bei ihrer Bewerbung aber natürlich nicht nur auf Emotionen. Die weiteren wichtigen Bausteine liefert die von den Frankfurter Architekten Albert Speer und Friedbert Greif durchgeführte Machbarkeitsstudie: Das "2-Cluster-plus-Konzept" soll eine Konzentration auf wenige Sportstätten und kurze Wege garantieren. Im "Ice-Cluster" München sollen die Eissportwettbewerbe ausgetragen werden, im "Snow-Cluster" Garmisch-Patenkirchen alle alpinen und nordischen Disziplinen, darüber hinaus soll die Kunsteisbahn in Schönau genutzt werden.

Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein sollen im Mittelpunkt der Münchener Bewerbung stehen: "Wir haben ein rücksichtsvolles Konzept erarbeitet, das über den letzten Wettkampftag hinausgeht", sagte Ministerpräsident Beckstein. Deshalb wollen die Organisatoren so viele bereits bestehende Sportstätten wie nur möglich nutzen und die Eingriffe in die Natur so gering wie möglich halten, um so die strengen Vorgaben des ökologischen DOSB-Leitfadens "Green-Champions" zu erfüllen. Bei der Finanzierung hofft Ude auf die Hilfe der in und um München angesiedelten Unternehmen - und hat nach eigenen Angaben auch schon erste Zusagen bekommen. Die Unterbringung der Gäste sei bereits so gut wie gesichert, 67 000 Zimmer könnten 2018 zur Verfügung stehen.

München sei sehr gut aufgestellt für die Olympia-Bewerbung, das zeigten die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie, warb Beckstein. Danach forderte er die DOSB-Mitglieder in Anspielung an die Fußball-WM 2006 auf: "Lassen Sie uns noch einmal ein Märchen schreiben, auf dass es 2018 heißen möge: Deutschland - ein Wintermärchen." Ob es tatsächlich dazu kommen wird, wird endgültig erst 2011 feststehen. Und bis dahin sei es noch "ein weiter Weg", sagt DOSB-Präsident und IOC-Vizepräsident Thomas Bach. (mac/ddp)

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