Sport : Die Stadt soll die Lücke schließen

Kölns Basketballer stehen wieder vor dem Aus

Lars Spannagel

Berlin - Stephan Baeck will noch nicht glauben, dass es in seiner Stadt keinen Platz für Basketball gibt. Der gebürtige Kölner und ehemalige Spieler von Alba Berlin kämpft als Sportdirektor um die Zukunft des Bundesligisten Köln 99ers. Vor 14 Monaten mussten die 99ers Insolvenz anmelden, jetzt stehen sie erneut vor dem Aus. In diesem Monat konnten Spielergehälter nicht bezahlt werden, weil von der Finanzkrise betroffene Sponsoren zugesagte Beträge nicht überwiesen. „Ich habe mich vor das Team hingestellt und gesagt: Ihr müsst uns helfen“, sagt Baeck. Die Spieler hätten am Sonntag mit dem 67:59-Sieg gegen Ludwigsburg hervorragend reagiert. Um die im Etat klaffene Lücke von 600 000 Euro für die laufende Saison zu schließen, wandten sich die 99ers am vergangenen Donnerstag an die Stadt Köln: Sie soll bei der Sponsorensuche helfen oder vielleicht sogar selbst einspringen. „Das ist zwar unwahrscheinlich, aber nichts ist ausgeschlossen“, sagt 99ers-Gesellschafter und Geschäftsführer Jürgen Wollny, der den Klub vor einem Jahr durch seinen Einstieg gerettet hatte.

Zusammen mit Bundestrainer Dirk Bauermann präsentierten die 99ers am Donnerstag einem Gremium um Oberbürgermeister Fritz Schramma ihr Zukunftskonzept: Acht junge Deutsche, verstärkt durch ein paar Ausländer, sollen ab der kommenden Saison für Köln auflaufen und schon bald den Kern der Nationalmannschaft bilden. Laut Baeck hat der Verein schon mit potenziellen Spielern gesprochen, die sehr interessiert gewesen seien. Auch die Vertreter der Stadt hätten den Plan als „sportlich überzeugendes Konzept“ aufgenommen, sagt Baeck, die Finanzierung sei aber noch nicht gelöst. „Andere Städte haben dafür Posten im Haushalt, weil die Klubs als Aushängeschild gelten“, sagt Baeck und nennt die Bundesligisten aus Düsseldorf und Bremerhaven als Beispiele. Dem auch sportlich abstiegsbedrohten Verein fehlen mit einem Namens- und einem Trikotsponsor nach wie vor die beiden potenziell größten Geldgeber. „Die Lage ist dringend“, sagt Baeck.

Bei der Basketball-Bundesliga (BBL) beobachtet man die Situation besorgt. „Wir haben noch nicht alle Fakten auf dem Tisch“, sagt Liga-Sprecher Dirk Kaiser, die BBL werde den 99ers jetzt aber „in die Bücher schauen“. Sollte das sofortige Aus abgewendet werden können, ist Köln noch lange nicht gerettet. Am 16. April tagt der BBL-Lizenzierungsausschuss, der Köln die Zulassung für die Saison 2009/2010 verweigern könnte. Immerhin: Ein Abnehmer für eine frei werdende Lizenz ist nicht in Sicht. Laut BBL haben sich die beiden US-Investoren, die im Winter angekündigt hatten, in Hamburg ein Team aus dem Boden stampfen zu wollen, nicht um eine Lizenz bemüht.

Für die 99ers geht es nun zuallererst darum, den Spielbetrieb für die laufende Saison zu retten. Langfristig soll dann das „Team Germany“-Konzept zum Tragen können . „Wenn Köln eine Sportstadt sein will, dann gehören nicht nur die Fußballer vom FC, sondern auch die Eishockeyspieler der Haie und die 99ers dazu“, sagt Baeck. „Wenn nicht, dann war’s das eben.“

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