Sport : Die Zahl der positiv Getesteten in Deutschland ist leicht zurückgegangen

Hanspeter Detmer

Epo-Schwemme beim Radsport hin, der Nandrolon-Fall Baumann her - die Befürchtungen, der Sport würde im Sumpf des Dopings untergehen, bestätigten sich während der Jahrespressekonferenz "Doping" des Kölner Bundesinstituts für Sportwissenschaft nicht. Die Zahlen, die die beiden vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) akkreditierten Doping-Analyse-Labors in Köln und Kreischa präsentierten, belegen: Zumindest im deutschen Sport hat es keinen Anstieg der positiv Getesteten gegeben. "Der sicherlich spektakuläre Fall Baumann darf das zufriedenstellende Ergebnis der deutschen Bemühungen im Kampf gegen Doping nicht ins falsche Licht rücken," stellte Ulrich Haas fest, der Vorsitzende der deutschen Anti-Doping-Kommission (ADK).

7726 Proben von deutschen Athleten wurden den Professoren Wilhelm Schänzer und Klaus Müller in Köln und Kreischa im letzten Jahr zur Analyse überlassen. Nur in 39 (0,5 Prozent) Fällen wurden sie fündig. Allein 14 positive A-Proben entfallen auf den Bundesverband Deutscher Gewichtheber (1 Gewichtheben, 14 Kraftdreikampf). Auch der Bund Deutscher Radfahrer (5), der Deutsche Eishockey-Bund (3) und der American Football Verband Deutschland (2) sind mehrfach vertreten. Bei insgesamt 4265 Trainingskontrollen der ADK konnten fünf Mal verbotene Substanzen nachgewiesen werden. Die am häufigsten nachgewiese Substanz war Metandienon (acht Mal), gefolgt von Nandrolon (6) und Testosteron (6). Der Kölner Laborchef Wilhelm Schänzer sprach von einem positiven Trend: "Durch intensivere Trainingskontrollen und verfeinerte Analysemethoden ist die Abschreckung größer geworden." Schlechter sieht es bei den Proben aus, die vom Ausland kommend den beiden deutschen Labors überlassen wurden. Im Humansport analysierte Schänzer in Köln über 6000 Proben, von denen immerhin 1,78 Prozent Doping-verseucht waren.

Wer erwartet hatte, der Fall Baumann würde den offiziellen Teil der Doping-Bilanzkonferenz bestimmen, war vergebens erschienen. Nur Klaus Müller erlaubte sich am Ende seines Tätigkeitsberichts eine Bemerkung in Richtung des neben ihm sitzenden Kölner Kollegen Schänzer: Es sei nicht Aufgabe eines Doping-Labors, über den Nachweis von Substanzen hinaus Informationen zu liefern, die ein Athlet in welcher Richtung auch immer für sich nutzen könne. Dies war Schänzer vorgeworfen worden und hatte vor einigen Wochen für Irritationen gesorgt. Schänzer antwortete: "Ich werde mich am Ethik-Code des IOC orientieren. Eine einseitige Hilfestellung werde ich nicht geben."

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