Sport : Die Zukunft an der Platte

Die junge Sabine Winter überzeugt bei der deutschen Tischtennismeisterschaft – trotz Finalniederlage.

von
Prima geschlagen. Sabine Winter ist erst 19 Jahre alt, im Finale verlor sie nach gutem Spiel gegen die 15 Jahre ältere Wu Jiaduo. Foto: dpa
Prima geschlagen. Sabine Winter ist erst 19 Jahre alt, im Finale verlor sie nach gutem Spiel gegen die 15 Jahre ältere Wu Jiaduo....Foto: dapd

Berlin - So schnell sie gerade noch am Tisch hin- und hergerannt war, so schnell wollte Sabine Winter nach dem Spiel vom Tisch weg. Die Sporttasche über der Schulter lief sie in die Katakomben des Velodroms, über beide Wangen rollten Tränen. „Wenn man die Chance hat, die deutsche Meisterschaft zu gewinnen, dann will man sie auch nutzen“, sagte sie, „und die Chancen werden sich nicht häufen.“ War das ihr Ernst? Sabine Winter ist 19 Jahre alt, sie stand zum ersten Mal im Einzelfinale einer deutschen Tischtennismeisterschaft, 2:4 verlor sie nach einer guten Leistung gegen die 15 Jahre ältere Wu Jiaduo. Und mit ihrem Spiel könnte Winter die Zukunft des deutschen Frauentischtennis mitbestimmen.

Nach ruhigeren Jahren bewegt sich gerade einiges im weiblichen deutschen Tischtennis, und das liegt gerade auch an Sabine Winter. Sie hat ein attraktives, dynamisches Spiel mit flinken Beinen und verbiegt sich regelrecht, um möglichst oft mit der Vorhand an den Ball zu kommen und ihre harten Topspins abzufeuern. Ihre Freizeit verbringt die Spielerin des bayerischen Klubs TSV Schwabhausen am liebsten mit Sport, sei es Surfen, Beachvolleyball oder Badminton. Sabine Winter zeigt mit ihrem Spiel, wie athletisch Tischtennis geworden ist.

Bei den Männern läuft es derzeit erwartungsgemäß, im Velodrom gewann vor 2000 Zuschauern Titelverteidiger Bastian Steger im Finale 4:3 gegen Dimitrij Ovtcharov. Deutschlands bester Spieler Timo Boll hatte wegen einer Reizung der Bizepssehne auf einen Start in Berlin verzichtet. Im Endspiel der Frauen dagegen standen sich zwei gegenüber, die das Turnier bisher noch nicht gewinnen konnten. Wu Jiaduo, 34 Jahre alt, hatte es in bester Ausgangsposition schon mehrfach versucht. Die Europameisterschaft hatte sie gewonnen, nicht aber den nationalen Titel. Im Endspiel wurde sie diesmal von Sabine Winter herausgefordert, die erst im Viertelfinale Vorjahressiegerin Zhenqi Barthel und dann die Berlinerin Irene Ivancan vom TTC Eastside besiegt hatte.

Das Finale war lange offen, Winter entschied den ersten Satz 11:4 für sich, Wu Jiaduo holte sich die nächsten beiden Durchgänge 11:5 und 11:4, ehe Winter zum 2:2 ausgleichen konnte. Eine 9:7-Führung im fünften Satz nutzte Winter jedoch nicht und gab ihn mit 10:12 ab, auch im letzten Satz unterlag sie knapp 9:11. „Ich muss noch an meiner Rückhand arbeiten und auch an meinem Rückschlag“, sagte Winter. „Ich bin jetzt erst einmal enttäuscht. Aber mit ein bisschen Abstand werde ich mich bestimmt über die Silbermedaille freuen.“

Manchmal macht sie noch einen leichten Fehler zu viel oder lädt ihre Gegnerin mit einem harmlosen Rückschlag zum Angriff ein. Mental scheint sie noch nicht so kaltschnäuzig zu sein, wie es ihr knalliges Spiel vermuten lässt. Doch ihr Spiel steht in der Tradition von europäischen Angriffsspielerinnen wie Nicole Struse, Elke Schall, der Rumänin Mihaela Steff oder der Kroatin Tamara Boros. Um mit Winter und den anderen Spielerinnen weiterzukommen und auch mit den asiatischen Spielerinnen konkurrenzfähig zu sein, hatte der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) wenige Wochen vor der Mannschafts-WM, die vom 25. März bis zum 1. April in Dortmund stattfindet, überraschend die Trainerspitze ausgewechselt.

Die ehemalige Weltklassespielerin Jie Schöpp ersetzt den bisherigen Damen-Bundestrainer Jörg Bitzigeio. Die atmosphärischen Spannungen in der Mannschaft seien zu groß gewesen, sagte DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig. Die Spielerinnen wollten nicht mehr mit Bitzigeio arbeiten. Und der Druck zur Veränderung war so groß, dass der DTTB die WM nicht abwarten wollte. Nun wird Jie Schöpp die Damen betreuen, auch Sabine Winter. „Die Spielerinnen sind wirklich schon gefestigte Persönlichkeiten“, sagt Jie Schöpp über ihre Mannschaft. Ein wenig Trost können sie manchmal dennoch gebrauchen.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar