Sport : Die zweite Überraschung

Für vier Berliner Hockeyspielerinnen kommt der Erfolg bei der Sportlerwahl genauso unerwartet wie die Goldmedaille in Athen

Ingo Schmidt-Tychsen

Als Natascha Keller davon erfuhr, dass sie und die anderen drei Berlinerinnen aus der Hockey-Nationalmannschaft für Berlins Mannschaft des Jahres nominiert seien, hielt sie das für eine „witzige Idee“, mehr nicht. „Die Randsportart Hockey hat bei einer solchen Wahl keine Chance“, hatte sie gesagt. Da hatte sich Natascha Keller gründlich getäuscht. Das steht nun fest. Dass sie und drei ihrer Kolleginnen nun in der Kategorie „Mannschaft des Jahres“ gewannen, ist für die 26-jährige Berlinerin „fast genauso überraschend wie der Olympiasieg von Athen.“

Die Berlinerinnen Keller, Badri Latif, Louisa Walter und Sonja Lehmann hatten bei den Sommerspielen die Goldmedaille gewonnen. Und damit hatte eigentlich keiner gerechnet, zumal die Statistik deutlich gegen die deutsche Hockey-Nationalmannschaft sprach. Nach der 1:4-Niederlage gegen die Niederländerinnen in der Vorrunde war die Mannschaft im Finale gegen denselben Gegner nur Außenseiter. In einem bis zur letzten Sekunde spannenden Endspiel erkämpfte sich Deutschland einen 2:1-Sieg. Nicht zuletzt weil eine Berlinerin für die am Ende der Partie anrennenden Niederländerinnen fast unüberwindbar war: Die Torhüterin Louisa Walter vom Berliner HC machte ein überragendes Spiel, eines der besten ihrer Karriere.

Nach der Sensation von Athen war das Interesse an den Spielerinnen riesig – so wie das nach dem Gewinn einer Goldmedaille bei Olympischen Spielen eben ist. Die sonst von der Öffentlichkeit eher wenig beachteten Hockeyspielerinnen freuten sich natürlich darüber, wussten aber auch, dass ihr Sport von einem großen Boom trotzdem noch weit entfernt ist. „Allmählich lässt der Rummel wieder nach“, sagt Sonja Lehmann. Trotzdem: Gerade deswegen freut sie sich über das Ergebnis bei der Berliner Sportlerwahl. Für die Spielerin vom TuS Lichterfelde ist es „unheimlich schön zu spüren, dass die Menschen unseren Sieg noch nicht vergessen haben“.

Reich macht so ein Erfolg im Hockey trotzdem nicht, daher ist für die vier Berliner Olympiasiegerinnen der Beruf mehr als nur eine wichtige Nebensache. Sonja Lehmann zieht sich mit 25 Jahren sogar aus der Nationalmannschaft zurück. Sie will sich auf ihr Medizinstudium an der Humboldt-Universität konzentrieren. Auch die 27-jährige Badri Latif und die 25-jährige Louisa Walter studieren. Beide wollen aber weiterhin Hockey spielen. In der Bundesliga für den Berliner HC und in der Nationalmannschaft. Gemeinsam mit Natascha Keller. Die Stürmerin des BHC fängt zwar ab dem 1. Januar an, als Kundenberaterin bei einer Versicherung zu arbeiten, aber Hockey ist für sie immer noch „ein absolutes Muss“.

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