Sport : Diesseits von Schweiß und Tränen

Leverkusens Trainer Hörster muss wohl gehen, weil seine Spieler immer noch nicht in den Niederungen des Abstiegskampfes angekommen sind

Christoph Bertling

Leverkusen. Thomas Hörster redete noch von „Versäumnissen“, „Pech“ und „Ärger“, da waberten schon die ersten Gerüchte durch die Katakomben der Bayarena. Und sie transportierten alle einen Namen: Frank Pagelsdorf. Wird der momentan arbeitslose Trainer neuer Coach in Leverkusen? Das war nun die einzige Frage, die nach dem 1:1 gegen Wolfsburg noch interessierte. Bayers Trainer Hörster hatte ja bekannt: „Dass manche Spieler nicht Normalform haben, ist meine Schuld.“

„Im Vorhof der Hölle“ sei Bayer Leverkusen angekommen, berichtete die lokale Boulevardpresse darauf einen Tag später. Und so scheint die Frage nach Pagelsdorf legitim. Dieser hatte sich das Spiel zwischen Arminia Bielefeld und Borussia Mönchengladbach angeschaut – zwei Mannschaften, die in den nächsten Wochen gegen Bayer spielen werden. „Nein, wir leisten uns Hörster weiter“, antwortete Bayers Geschäftsführer Reiner Calmund auf Anfrage. „Pagelsdorf spielt für uns keine Rolle.“ Doch Calmunds gewichtiges Dementi hörte sich bereits so brüchig an, wie damals, als Klaus Toppmöller gehen musste. Hatte er doch ähnliche Worte Tage vor dessen Entlassung gefunden. So klangen auch seine Folgesätze sehr bedrohlich: „Jeder Trainer wird an den Ergebnissen gemessen. Ein Hitzfeld genauso wie ein Hörster.“

Und die Resultate stimmen momentan eben nicht. Drei Niederlagen und ein Unentschieden lautet die jüngste Bilanz. Dem unerfahrenen Hörster ist es nicht gelungen, die Mannschaft trotz Schongang in der Champions League für den Abstiegskampf fit zu machen. „Die Punkte gegen Wolfsburg hätten wir sehr nötig gehabt", sagte Kapitän Carsten Ramelow. „Uns fehlt der letzte Biss. Es ist einfach zu wenig."

Offiziell geben die Spieler noch Solidaritätserklärungen für Thomas Hörster ab: „Der Trainer steht bei uns nicht in der Kritik“, sagen Bernd Schneider und Hanno Balitsch. Intern sieht es anders aus. Aus dem Spielerkreis verlautete, dass 90 Prozent nicht mehr hinter dem Trainer stehen.

Dabei hat Thomas Hörster alle seine Mittel eingesetzt. Mit Kampf, Maloche und Knochenarbeit versucht er, die Mannschaft irgendwo zwischen Schweiß und Tränen auf den Abstiegskampf einzustimmen. Doch dies sind Tugenden, die den Spielern des Millionenunternehmens Bayer Leverkusen noch immer fremd scheinen. In den Niederungen, wo Fußball nur noch Kampf bedeutet, sind die meisten Spieler mental noch immer nicht angelangt.

So scheint es, als sei Hörster am Ende seiner Mission. Angeblich hat Pagelsdorf schon einen Vertrag für die kommende Saison unterschrieben, könnte aber schon kurzfristig einspringen. Der frühere Hamburger scheint besser zu Leverkusen zu passen als der medienscheue, manchmal etwas unbeholfene Hörster. Pagelsdorf hat beim HSV immerhin schon mal ein Millionenunternehmen betreut. Bedrohlich haben sich die Zeichen zugespitzt, dass Hörster eben doch nur eine Interimslösung auf Abruf ist.

Frank Pagelsdorf mochte sich zu Vertragsverhandlungen mit Bayer nicht äußern, er sagt nur: „Der Anstand gebietet es, Thomas Hörster in Ruhe arbeiten zu lassen. Mehr möchte ich nicht sagen.“ Ein Dementi klingt anders.

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