Dieter Hecking im Interview : „Ich will meine eigene Geschichte schreiben“

Dieter Hecking hat ganz unten begonnen und sich langsam in die Bundesliga gekämpft. Der Trainer des VfL Wolfsburg über einarmige Basketballspieler, den letzten Revolutionär und langweilige DFB-Tagungen.

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Dieter Hecking, 49, trainiert seit Anfang 2013 den VfL Wolfsburg. Zuvor betreute er in der Bundesliga Nürnberg und Hannover.
Dieter Hecking, 49, trainiert seit Anfang 2013 den VfL Wolfsburg. Zuvor betreute er in der Bundesliga Nürnberg und Hannover.Foto: AFP

Herr Hecking, wer muss beim Essen im Mannschaftshotel neben Ihnen sitzen?

Das ist unterschiedlich. Ich sitze mit dem Trainerstab an einem Tisch. Warum fragen Sie?

Sie haben mal erzählt, dass Sie als junger Spieler in Gladbach oft neben Ihrem Trainer Jupp Heynckes Platz nehmen mussten.

Das stimmt (schmunzelt). Die ganze Mannschaft saß an einer langen Tafel, der Trainer am Kopf. Der Stuhl neben ihm war immer für einen der jüngeren Spieler reserviert – die alten haben sich natürlich möglichst weit weggesetzt.

Und wie war das, neben dem Trainer?

Ich habe bloß die ganze Zeit gedacht: Jetzt keine falsche Bewegung, kein falsches Wort. Jupp Heynckes war ja damals auch noch nicht so locker, wie er es am Ende seiner Karriere gewesen ist.

Solche Erfahrungen ersparen Sie Ihren Spielern also heutzutage?

Ja, wir haben das aufgelockert. Bei uns gibt es mehrere Tische, keine riesenlange Tafel. Das wäre zu unpersönlich.

Gibt es noch weitere Dinge, die Sie zu Ihrer aktiven Zeit gehasst haben und daher heute sein lassen?

Krafttraining! Das habe ich gehasst wie die Pest. Wenn ich damals aus dem Kraftraum gekommen bin, habe ich mich richtig schlecht gefühlt. Als ich dann mit 34 Jahren in Hannover gespielt habe, sagte ich irgendwann zu Konditionstrainer Ewald Kowalczuk: „Eddie, die Beinpresse mache ich noch, aber beim Rest schau bitte nicht so genau hin.“ Das hat er durchgehen lassen, weil ich einer der Älteren war.

Die schönsten Fan-Choreographien der vergangenen Saison
Nachfolgend die schönsten Aufnahmen der Choreographien aus der vergangenen Hinrunde von Fans aller 18 Bundesligisten.Weitere Bilder anzeigen
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28.02.2014 11:51Nachfolgend die schönsten Aufnahmen der Choreographien aus der vergangenen Hinrunde von Fans aller 18 Bundesligisten.

Also drücken Sie da bei Ihren Spielern auch ein Auge zu?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wir auch ohne exzessives Krafttraining gut fahren. Die richtige Dosierung ist entscheidend. Aber es gibt natürlich auch Spieler, die sich freiwillig etwas draufpacken, weil sie denken, das sieht gut aus (schaut an sich herunter).

Wie viel von Ihren früheren Trainern steckt in Ihrer heutigen Arbeit?

Man nimmt von vielen etwas mit. Lorenz-Günther Köstner zum Beispiel hat mir vermittelt, dass Führungsspieler wichtig sind, dass man sie stark machen muss. Jürgen Sundermann war in seiner Ansprache einfach sensationell. Ich erinnere mich noch, dass er uns vor einem Spiel mal von einem einarmigen Basketballspieler erzählt hat, der zehn Dunkings gemacht hat. Aber so etwas kannst du natürlich nicht einfach kopieren.

Was ist für Sie der Kern Ihrer Arbeit?

Das sind die spieltaktischen Dinge. Und das bedeutet nicht, wie wir einen Eckball spielen oder dass ein Laufweg so sein muss und nicht anders. Für mich geht es im Kern darum, dass alle Rädchen ineinandergreifen. Nehmen Sie mal die Verpflichtung von Kevin de Bruyne. Zu einem bestehenden Puzzle haben wir mit ihm ein weiteres Puzzleteil dazubekommen. Und ich muss jetzt schauen, wie ich das eine Teil so integriere, dass das Bild trotzdem stimmig bleibt.

Wo kommen Ihnen dafür die besten Ideen? Im Auto? Unter der Dusche? Im Schlaf?

Also, im Schlaf kommt bei mir gar nichts (lacht). Eher beim Laufengehen oder im Auto auf der Fahrt nach Hause. Dann bin ich ganz für mich und es schwirren mir die klarsten Gedanken durch den Kopf. Es kreist bei mir ja eh ständig alles um Fußball und um meine Mannschaft. Das gehört wohl zu einem Trainerleben dazu.

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