Sport : Diplomatische Rivalen

Die Spielerinnen des Berliner Hockey-Clubs treffen im Hallen-Halbfinale auf Rüsselsheim

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Halbfinale? „Es ist das Endspiel“, sagt Horst Buhr, Teammanager der Frauen des Berliner Hockey-Clubs. Seine Mannschaft trifft heute Nachmittag in der Rhein-Ruhr-Halle in Duisburg auf den Rüsselsheimer RK. Es ist das Halbfinale um die Deutsche Hallenhockey-Meisterschaft. Doch es hat vorentscheidenden Charakter – die beiden Teams sind hohe Favoriten auf den Gewinn der Meisterschaft, da sie in ihren Bundesliga-Staffeln jeweils ungeschlagen sind.

Berthold Rauth, Trainer der Rüsselsheimerinnen, bleibt trotzdem zurückhaltend: „Vielleicht sind wir die derzeit besten Mannschaften, aber die anderen sind auch nicht auszuklammern.“ Die anderen, das sind TSV Mannheim und der Club an der Alster. Gegen Mannheim schied der BHC im letzten Jahr im Viertelfinale aus. Auch damals war der BHC Favorit, hatte in der Saison nur einmal verloren. Es fehlte allerdings die überragende Natascha Keller, die heute dabei ist. Deshalb sieht Buhr seine Mannschaft gegen Rüsselsheim, den Deutschen Meister der vergangenen drei Jahre, im Vorteil: „Wir sind etwa 30 Prozent stärker als Rüsselsheim, physisch und auch sonst.“ Nach ihren eigenen Worte seien die Berliner immer besser, kontert Rauth. „So lange wir die Erfolgreicheren sind, ist mir das ganz recht.“ Die Rüsselsheimerinnen haben acht Hallen-Meisterschaften gewonnen, der BHC vier.

Die Meinungsverschiedenheit zwischen Buhr und Rauth spiegelt die Rivalität der beiden Klubs wider. Natascha Keller, die Mannschaftsführerin der Berlinerinnen, drückt das so aus: „Die sind halt ein bisschen anders als wir in der Großstadt.“ Allerdings sei das Verhältnis in den letzten Jahren besser geworden. „Durch die Nationalmannschaft lernt man sich kennen, und inzwischen habe ich erkannt, dass man mit denen ganz gut leben kann.“ Auch Rauth will die Rivalität nicht überbewertet wissen: „Wenn Rivalität bedeutet, dass man sich nicht respektiert, dann gibt es keine. Ich respektiere den BHC, dort wird gut gearbeitet.“ Rauth sagt das gelassen, in ruhigem Ton. Während eines Spiels sieht das oft anders aus. Immer wieder lieferte er sich in der Vergangenheit hitzige Wortgefechte mit BHC-Trainer Andreas Keller. Fast immer war Rauth der Initiator.

Auf das heutige Duell freut sich Rauth besonders, weil es kaum besseres Hockey gibt. Der BHC hat mit 111 Toren den mit Abstand stärksten Sturm der Liga, Rüsselsheim mit 24 Gegentoren die zweitbeste Abwehr. „Die Chancen stehen 50 zu 50“, sagt Rauth. Spätestens beim Anpfiff dürfte er solch diplomatische Töne wieder ablegen.

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