Sport : Dirigent aus dem Container

Herthas Trainer Stevens wählt sich für das Spiel gegen Wolfsburg einen besonderen Platz

Michael Rosentritt

Berlin. Huub Stevens ist ein emotionaler Trainer. Vor allem aber ist der 49-Jährige ein pragmatischer Mensch. Kaum, dass ihn der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit einem Bußgeld und einer Sperre für das nächste Heimspiel bedacht hatte, stellte der Trainer von Hertha BSC das Positive daran heraus. „Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, mal das Spiel meiner Mannschaft von einer anderen Perspektive aus zu beobachten“, sagt Stevens.

Der Niederländer, der als Wiederholungstäter gilt, darf während des Spiels gegen Wolfsburg nicht auf der Trainerbank Platz nehmen. Während einige Bundesligaschiedsrichter nach Platzverweisen gegen Trainer härte Strafen gegen Trainer wie beispielsweise in internationalen Wettbewerben fordern (dort kann bereits wegen kleinerer Vergehen gegen Trainer eine Geldstrafe bis zu 30 000 Schweizer Franken und zwei Spiele Sperre verhängt werden), erinnert Stevens sich seiner eigenen Vergangenheit.

Im Spiel beim FC Bayern war er das dritte Mal von der Bank geflogen. Zuletzt war das im Mai im DFB-Pokalfinale gegen Leverkusen. Stevens war damals Trainer des FC Schalke 04 und dirigierte seine Elf von der Tribüne aus zum 4:2. Unten auf der Bank saß Holger Gehrke, damals bei Schalke wie heute bei Hertha Stevens’ Kotrainer. Mit ihm hielt Huub Stevens von der Tribüne aus Kontakt. Wird das nun wieder so sein? Der Tagesspiegel beantwortet die wichtigsten Fragen:

Wenn Stevens während des Spiels nicht auf der Trainerbank sitzen darf – darf er sich dort wenigstens bis zum Anpfiff aufhalten?

Nein. Die Trainerordnung des DFB schreibt folgendes vor: Der Trainer darf 30 Minuten vor, bis 30 Minuten nach dem Spiel nicht den Innenraum des Stadions betreten.

Wo wird Stevens dann sitzen?

Für gewöhnlich nehmen die Trainer auf der Tribüne direkt hinter den Trainerbänken Platz. Im Olympiastadion gibt es wegen des Umbaus dort statt der Ränge einen gewaltigen Sandberg. Entweder wird für Stevens in diesen Hang eine Sitzgelegenheit errichtet, oder aber er wird in den Container krabbeln, der für die Fernsehkameras oberhalb der Trainerbänke aufgebockt ist.

Wie wird die Verständigung laufen?

Offiziell ist eine Einflussnahme untersagt. „Aber wir sind Realisten“, sagt Klaus Koltzenburg vom DFB. „Die meisten Trainer bedienen sich in solchen Fällen eines Mittelsmannes oder aber der modernen Kommunikationstechnik.“

Bekommt Stevens vom DFB einen Aufpasser an seine Seite?

Nein. „Das wäre auch albern“, sagt Koltzenburg.

Darf Stevens während der Halbzeitpause in die Kabine seiner Elf?

Ja, sagt der DFB. Stevens sagt: „Während des Spiels sind die Einflussmöglichkeiten des Trainer eingeschränkt. Wichtig ist, dass wir das Spiel gut vorbereiten und dass ich während der Halbzeit zur Mannschaft darf.“

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