Diskuswerfer Harting : Unbequem und erfolgreich

Diskuswerfer und WM-Silbergewinner Robert Harting blickt auf sein bestes Jahr zurück – in Stuttgart landet er auf Rang vier.

Susanne Rohlfing
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Robert Harting -Foto: dpa

StuttgartDas Trikot blieb diesmal heil. Und auch die Startnummer wurde nicht zum Snack umfunktioniert. Zufrieden war Robert Harting dennoch. Seine Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft in Osaka hatte dem Diskuswerfer vom SC Charlottenburg eine Wild Card für das Weltfinale der Leichtathleten in Stuttgart beschert. Dort beförderte er sein Sportgerät vor nur 20 000 Zuschauern auf 65,25 Meter und wurde Vierter hinter Weltmeister Gerd Kanter (Estland/66,54 Meter), Virgilijus Alekna (Litauen, 65,94 Meter) und Piotr Malachowski (Polen/66,35 Meter). „Ich bin total zufrieden“, sagte Harting, „ich hätte nicht gedacht, dass ich noch mal über 65 Meter werfen kann.“

Wäre der Diskuswurfwettbewerb nicht auf meetingfreundliche vier statt der üblichen sechs Versuche zusammengekürzt worden, hätte das vielleicht anders ausgesehen. „Das ist noch nicht so mein Ding“, sagt der 22-Jährige. Ihm fehlt es noch an der Routine eines Alekna oder Kanter. In Osaka war ihm sein Silberwurf auch erst im fünften Versuch gelungen. Das soll besser werden, am liebsten schon in der kommenden Saison. Platz drei bis sechs soll es werden bei Olympia, so Harting.

Dafür, dass er nach seinem WM-Coup nicht den Boden unter seinen Füßen der Schuhgröße 50 verliert, sorgt wohl sein Trainer Werner Goldmann. Er ist der ruhige Gegenpol zu dem Zwei-Meter-Hünen mit dem gern mal überschäumenden Temperament. Und er federt den Druck ab, den eine WM-Silbermedaille mit sich bringt. Das Ding in Osaka sei ein Riesenerfolg gewesen, sagte Goldmann, „aber es ist nicht ganz so einfach, diese Form zu konservieren“. Man habe es im Training versucht, „aber Bäume haben wir nicht mehr ausgerissen, das Jahr ist schließlich zu Ende“.

Es war ein gutes Jahr für Robert Harting, den U-23-Europameister von 2005. Er wurde Deutscher Meister, schraubte seine Bestweite auf 66,93 Meter, holte WM-Silber und brachte den Leichtathletik-Verband dazu, seinem Trainer das Ticket nach Osaka nachträglich zu bezahlen. Goldmann war auf eigene Kosten angereist, da er vom Verband nicht ins Team geholt worden war. In seinen ersten Reaktionen nach dem Triumph hatte Harting Wiedergutmachung gefordert – und auch ohne größere Diskussionen bekommen.

Und jetzt? Dürfe man nicht erwarten, dass Harting Olympiasieger wird, sagt Goldmann. „Es gibt eine ganze Reihe Athleten, die 67 bis 67,5 Meter werfen können, da muss man auf dem Teppich bleiben.“ So schnell gehe das nicht im Wurf, da müsse man viele Jahre systematisch arbeiten. „Erst jenseits der 25 Jahre beginnt beim Wurf das Hochleistungsalter“, sagt Goldmann. Harting habe sich gut gemacht in den letzten zwei Jahren, meint sein Coach. Er sei inzwischen weniger impulsiv und aggressiv. „Manchmal etwas schwierig“ sei er immer noch. „Aber die einfachen, bequemen Leute sind auch selten gute Sportler.“

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