Sport : Doping: Die Rache des Systems

Ja, was denn nun? Steckt die deutsche Leichtathletik jetzt in einer Krise, wie allgemein beklagt wird? Oder doch nicht, weil es in Stuttgart, bei den Deutschen Meisterschaften, ein Dutzend deutscher Jahresbestleistungen, einen deutschen Rekord und fünf grandiose Stabhochspringer gab. Krise? Vielleicht halten die Deutschen nur einfach internationalen Ansprüchen nicht mehr stand, und dann relativiert sich die Krise sehr schnell. Dann muss man nämlich berücksichtigen, dass all die Weltmeister und Europameister und Olympiasieger zumindest schlecht beleumundet sind, wenn nicht gar mehrfach des Dopings überführt. Soll heißen: Medaillen ohne Doping sind in diesen Zeiten mitunter verdammt schwer vorstellbar. Keine internationalen Medaillen zu gewinnen, kann also durchaus den aufrechten Gang befördern. Und die Hoffnung nähren, die deutschen Leichtathleten trieben mehrheitlich sauberen Sport.

Wenn Deutschland also nicht in allen Disziplinen die Weltrangliste erobert, ist das nicht automatisch der sportliche Notstand. Es ist nur so, dass man Leistungen auch ohne Doping ausreizen kann. Und das - Stuttgart lieferte genügend Indizien - scheint nicht stets der Fall zu sein. Denn diverse Resultate haben nichts mit sauberem Sport, sondern mit Leistungsunvermögen zu tun. Heike Drechsler, fast 36, gewinnt den Weitsprung, Peter Blank, fast 40, das Speerwerfen. Jüngere drängen nicht nach. Vielleicht liegt es an deren mangelndem Leistungswillen, an der Bewegungsarmut der Computer-Generation. Vielleicht liegt es aber auch an den alten Zeiten, in denen eine verseuchte Leichtathletik keine Talente zum Training trieb. Das wäre dann eine späte Rache des Systems.

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