Doping : Gipfel der Dämpfer

Der deutsche Sport und die Bundesregierung lassen sich von der Wada ihre Dopingbekämpfung absegnen.

Friedhard Teuffel
dosb Foto: dpa
Hand drauf. Wada-Vorsitzender Richard Pound (rechts) gratuliert DOSB-Präsident Thomas Bach zum Anti-Doping-Aktionsplan. -Foto: dpa

BerlinWenn man so will, war es ein internationales Doping-Gipfeltreffen. Der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble, der Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur Richard Pound und der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Thomas Bach haben sich im Bundesinnenministerium über ihre Strategie gegen den Betrug im Sport ausgetauscht. Aber wie das so ist bei internationalen Gipfeltreffen: Das Ergebnis lässt sich schnell zusammenfassen. Alle drei lobten sich gegenseitig und versprachen, die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) in Deutschland künftig besser auszustatten. Das Interessante an diesem Gipfel war jedoch das, was nicht ausgesprochen wurde und nicht stattfand.

So war beispielsweise die Nada gar nicht zu dem Treffen eingeladen worden. Das hatte noch am Tag zuvor Nada-Vorstandsmitglied Markus Hauptmann im Sportausschuss des Bundestags gerügt. DOSB-Generaldirektor Michael Vesper sagte gestern, er habe für die Nada mit am Tisch gesessen. Er gehöre schließlich dem Kuratorium der Nada an. Die Agentur beansprucht allerdings für sich, von Sportorganisationen unabhängig zu sein. Und in der zuletzt größten politischen Streitfrage, ob der Besitz von Dopingmitteln strafrechtlich zu verfolgen sei, hatten Nada und DOSB unterschiedliche Ansichten. Die Nada war für die Besitzstrafbarkeit, der DOSB dagegen. Richard Pound hatte die Nada erst gar nicht bei dem Treffen erwartet. Ein Gespräch mit der Agentur sei bei seiner Deutschland-Reise nicht vorgesehen.

Dennoch hält Schäuble die Nada für die zentrale Instanz bei der Dopingbekämpfung und stellte für das nächste Jahr hohe Zuschüsse der Bundesregierung in Aussicht. „Der Bundeshaushalt 2008 sieht eine erhebliche Aufstockung der Mittel für die Nada vor“, sagte Schäuble, ohne sich auf eine Summe festlegen zu lassen. Bislang hat die Nada einen Jahresetat von etwa 1,8 Millionen Euro, beansprucht aber 5 Millionen, um effizient arbeiten zu können.

Es wird nicht der letzte Sportgipfel in Schäubles Ministerium in diesem Sommer sein. Der CDU-Politiker hat schon die nächste Einladung ausgesprochen: an den Präsidenten des Internationalen Radsportverbandes Pat McQuaid und den des deutschen Verbandes Rudolf Scharping. Anlass sind nicht nur die Doping-Geständnisse vieler Radprofis, sondern auch die Weltmeisterschaft im Straßen-Radfahren im September in Stuttgart. „Ich schaue mit Sorge auf das Ereignis, weil ich nicht zulassen kann, eine Veranstaltung vom Staat mitfinanzieren zu lassen, an der möglicherweise unsaubere Sportler am Start sind“, sagte Schäuble. Pound teilte seine Meinung: „Ich kann das Unbehagen verstehen.“

Auch sonst liegt Pound mit der deutschen Politik und dem DOSB auf einer Linie. Der deutsche Anti-Doping-Gesetzesentwurf sei eine „exzellente Initiative“ und Deutschland hätte nun ein „effektives Anti-Doping-Programm“. Thomas Bach nahm das dankbar auf: „Wir sind uns jetzt noch sicherer, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Schnell vergessen war offenbar, dass der international anerkannte Dopingexperte Sandro Donati noch am Tag zuvor im Bundestag das Doping-Kontrollsystem für tot erklärt hatte.

Zwar wollte Schäuble in der Dopingbekämpfung keine Euphorie aufkommen lassen: „Wir sind von einer Lösung weit entfernt. Die Doping-Diskussion zeigt, mit welchen Problemen freiheitliche Gesellschaften leben.“ Ein härtetes Gesetz, etwa mit dem Straftatbestand Sportbetrug, lehnt er aber ab: „Ich habe bisher keine Formulierung gesehen, die den Anforderungen einer geordneten Strafrechtsgesetzgebung entspricht. Angesichts der öffentlichen Empörung werden solche Gesichtspunkte leider oft als kleinkariert verworfen.“ Es sei auch nicht so, dass dem Sportler wenn er dope, nicht strafrechtliche Verfolgung drohe. Wie die aussieht, ließ Schäuble allerdings offen. Er brachte dafür einen anderen Mitspieler des Sports ins Gespräch: den Zuschauer. „Auf der einen Seite steht die große Erregung, auf der anderen Seite kann ich nicht feststellen, dass das öffentliche Interesse am Sport abgenommen hat.“

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