Doping im Spitzensport : „Lasst euch nicht erwischen“

Claudia Lepping hat sich als Leichtathletin in der Bundesrepublik in den 80er Jahren geweigert, Dopingsubstanzen zu nehmen. Die Studie hat in Teilen auch sie überrascht..

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Claudia Lepping
Claudia LeppingFoto: privat

Hat Sie noch etwas aus den aktuellen Veröffentlichungen überrascht?

Die Bereiche zum Kinderdoping haben mich erst überrascht. Dann hat sich die Überraschung aber doch etwas gelegt, weil ich beim Leichtathletikverein in Hamm damals schon gehört habe, dass eine Läuferin bereits in ihrer Jugendzeit mit Doping in Berührung gekommen sei.

Welche Unterschiede sehen Sie zwischen Doping West und Doping Ost?

In der DDR war Doping staatlich angeordnet, in Westdeutschland hatte man diese Anordnung eigentlich gar nicht nötig, weil die Trainer auch an der Basis über großes Wissen verfügten. Und von oben bekamen sie dann eigentlich nur zugerufen: Alles klar, aber lasst euch nicht erwischen. Der Leichtathletiktrainer Jochen Spilker etwa hatte Kontakte zu den Trainern von Ben Johnson und von Marita Koch. So mixte er sein Wissen gewissermaßen zu einem West-Ost-Dopingcocktail.

Claudia Lepping in ihrer aktiver Leistungssportzeit.
Claudia Lepping in ihrer aktiver Leistungssportzeit.Foto: privat

Welche Besonderheiten haben Sie im westdeutschen Doping kennen gelernt?

Es war die Binnen-Konkurrenz zwischen den einzelnen Vereinen, die bei den Trainern die Fantasie beim Doping beflügelt hat. In der DDR bekamen ja alle das Gleiche, das gleiche Mittel und auch ähnlich hohe Dosierungen. Bei uns waren die Leute freihändig unterwegs und haben in der Dosierung manchmal dermaßen daneben gelegen, so dass Dopingmittel entweder gar nicht wirkten oder massive Schäden hervorriefen.

Wie erleben Sie die aktuelle Debatte nach den Veröffentlichungen?

Es bringt auf jeden Fall einiges, Doping in West und Ost miteinander zu vergleichen. Nur gleichsetzen sollte man es nicht. Es ist billig, von Staatsdoping in der DDR und in der Bundesrepublik zu reden. Als ich gesagt habe, dass ich beim Dopen nicht mitmache, hat mir kein Staat gedroht. Und ich weiß nicht, ob ich das hätte durchhalten können, wenn ich in der DDR aufgewachsen wäre.

Was kann aus der Debatte folgen?

Vielleicht fragt sich doch noch mal der eine oder andere, was er in der betreffenden Zeit gemacht hat. Ich finde es geradezu widerlich, in welchen Jobs heute noch die Leute sind, die damals gedopt haben, sie sind Trainer, Funktionäre, ja sogar Laufbahnberater. Da möchte ich mal wissen, was sie jungen Leuten als Laufbahnberater so auf den Lebensweg mitgeben. Vielleicht schreibe ich die jetzt alle mal an, ob es nicht an der Zeit wäre, sich zumindest gegenüber den jungen Athleten ehrlich zu machen.

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