Doping : Kanülen in der Biotonne

Lars Spannagel

Nehmen wir einmal an, Sie hätten sich gerade gedopt. Mit Epo, Testosteron, Insulin, Eigenblut – das volle Programm. Was würden Sie mit den Beweisen machen, mit Spritzen, Blutbeuteln und Kanülen? Ein normal denkender Mensch würde den unappetitlichen Kram verbuddeln, verbrennen oder in der Kanalisation versenken. Viele Sportler denken anders und werfen alles in den Hausmüll, einfach so. Zuletzt ist das bei der gerade zu Ende gegangenen Tour de France passiert. Steckt vielleicht der unterbewusste Wunsch dahinter, ertappt zu werden?

Bei den Winterspielen von Salt Lake City fischt 2002 eine Putzfrau leere Blutbeutel aus einem Mülleimer im Quartier der Österreicher, Trainer Walter Mayer und zwei Sportler werden gesperrt. 2007 beobachtet ein Schweizer beim Weltcup-Finale der Ruderer in Luzern, wie ein Mitglied der russischen Mannschaft eine Plastiktüte in eine Bioabfall-Tonne wirft. Der ökologisch bewusste Schweizer sieht nach und findet blutverklebte Kanülen, acht russische Doper fliegen auf. Bei der Leichtathletik-EM in Göteborg findet ein Passant 2006 im Mülleimer vor einem Hotel einen Karton russisch beschrifteter Doping-Ampullen, die aber keinem der im Hotel wohnenden Teams (Polen, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Gibraltar, Malta, Russland) zweifelsfrei zugeordnet werden. Russlands Anti-Doping-Behörde vermutet eine „plumpe Intrige“ gegen das russische Team.

Wahrscheinlich gibt es keine logische Erklärung, wieso Sportler Dopingmittel einfach wegwerfen. Außer vielleicht, dass bei manch einem genauso viele Kanülen anfallen wie bei anderen Menschen gebrauchte Papiertaschentücher oder Bananenschalen.

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