Doping : Meine Probe, deine Probe

Die groß angekündigten Nachtests der Tour de France 2008 waren negativ – bei ihrer Präsentation ging es vor allem um die Macht im Anti-Doping-Kampf.

Mathias Klappenbach
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Lance Armstrong (r.) und Alberto Contador -Foto: dpa

Berlin - Pierre Bordry hat seit Jahren Erfolg mit den einfachsten Regeln der PR-Arbeit. Im Abstand einiger Monate kündigt der Chef der französischen Anti-Doping-Agentur (AFLD) größere Enthüllungen an, die das Ausmaß des Dopings im Radsport offenbaren. Beizeiten spricht er dabei auch von neu entwickelten Beweisverfahren, und oft „sickert“ dann auch vorher durch, dass prominente Profis betroffen sein könnten. So hatte seine Ankündigung, an diesem Mittwoch die Ergebnisse weiterer Nachtests der Tour de France 2008 zu präsentieren, bei einigen große Erwartungen geweckt.

Doch Bordry ging es wohl wieder einmal um etwas anderes. Er wollte seine turnusmäßige Kritik am Weltverband UCI üben, den nicht nur er für, euphemistisch ausgedrückt, ungeeignet für den Kampf gegen Doping hält. Der Kampf gegen Doping hat sich zu einem eigenen Markt entwickelt, in dem es auch darum geht, wer Marktführer sein darf. Am Rande des IOC-Kongresses in Kopenhagen kritisierte UCI-Präsident Pat McQuaid die „PR-Aktion“ und seinen Gegenspieler Bordry. „Ich bin nicht erleichtert über die Ergebnisse, denn das Verhalten der AFLD und von Herrn Bordry war absolut inakzeptabel“, schimpfte McQuaid. Bordry hätte sich mit der UCI zusammensetzen müssen, „bevor er an die Öffentlichkeit geht und eine negative Stimmung auslöst“.

Wer nun die von Bordry entfachten, von den Medien aber auch bereitwillig aufgenommenen großen Erwartungen hatte, wurde am Mittwoch enttäuscht. Die Nachrichtenagenturen schrieben nach der Pressekonferenz der AFLD in Paris davon, dass „das befürchtete Doping-Nachbeben zur Tour de France 2008“ ausgeblieben sei. Die 17 Proben namentlich nicht genannter Fahrer, die noch einmal auf Doping untersucht worden sind, hatten alle einen negativen Befund. Bei der Tour 2008 war es der AFLD gelungen, ihren großen Worten Taten folgen zu lassen. Insgesamt wurden sieben Profis positiv getestet, sechs davon auf das Blutdopingmittel Epo oder das verfeinerte Präparat Cera, für das ein Test entwickelt worden war, von dem die Doper nicht wussten. Einer von ihnen war der Gesamtdritte Bernhard Kohl, der danach eine umfangreiche Beichte ablegte. Kohl war ebenso wie der deutsche Profi Stefan Schumacher bei ersten Nachtests im vergangenen Oktober erwischt worden.

Das war ein Erfolg für den Anti-Doping-Kampf und die AFLD, zu dessen Wiederholung sie in diesem Jahr aber gar keine Gelegenheit bekam. 2008 hatte die AFLD die Hoheit über die Dopingkontrollen bei der Tour, weil die UCI sich mit dem Tour-Veranstalter ASO zerstritten hatte. In diesem Jahr durfte aber die vor allem am Überleben des real existierenden Radsports interessierte UCI wieder kontrollieren und die AFLD lediglich assistieren.

Schon während dieser Tour hatten sich AFLD-Kontrolleure darüber beschwert, dass die Fahnder der UCI sich vom Team Astana vor der Entnahme ihrer Proben erst einmal für eine Stunde zum Kaffee einladen ließen und damit den Profis mehr Zeit als nötig für eine mögliche Manipulation einräumten. Überhaupt haben die Fahnder bei dieser Tour keinen Dopingsünder überführen können.

Die erneute Kritik an der UCI war ein wesentlicher Punkt der gestrigen Veranstaltung, schon im Vorfeld hatte Pierre Bordry gesagt, dass Astana, das Team des Gesamtsiegers Alberto Contador und von Superstar Lance Armstrong, bevorzugt behandelt wurde. Bordry sprach gegenüber der Zeitung „Le Monde“ auch von den neuen Dopingmitteln „Aicar“ (muskelauf- und fettabbauend, gilt als Gendoping) und Hematide (ein neues Epo-Präparat), deren Einsatz er vermutet.

Bordry verstehe nicht, warum die Tour-Verantwortlichen nicht das machten, wozu sie sich verpflichtet hätten. Die Folge von Bordrys Kritik wird wohl sein, dass die AFLD künftig nicht einmal mehr assistieren darf. „So wie sie sich im Moment verhalten, werden wir mit ihnen nicht weiterarbeiten“, kündigte McQuaid an. Bordry verursacht ihm vor allem zu viel Aufregung.

Pat McQuaid hat es in Sachen Doping gerne ruhig.

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