Leichtathletik : Zwei Jahre Sperre für Marion Jones

Die ehemalige Sprinterin Marin Jones ist vom Leichtathletikverband gesperrt worden. Sie hatte im Oktober Doping gestanden. Jetzt muss sie nicht nur alle Medaillen zurückgeben, es droht auch die Rückzahlung ihrer gesamten Prämien - sie steht vor dem Ruin.

Jones
Dopingsünderin Marion Jones (Archivbild) -Foto: dpa

Monte Carlo Marion Jones hat bei ihrer Selbst-Demontage den nächsten schweren Schlag einstecken müssen. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hat die zweijährige Dopingsperre gegen die US-Sprinterin bestätigt, alle Resultate seit dem 1. September 2000 gestrichen und ihre sieben WM-Medaillen aberkannt. Damit zog sie zugleich ihre Staffel-Kolleginnen mit in den Doping-Sumpf und löste eine noch nicht absehbare Kettenreaktion bei den Medaillen-Nachrückern aus. Zudem entschied die IAAF auf einer Sitzung des Councils in Monte Carlo, dass die entthronte Sprint-Königin sämtliche Prämien und Antrittsgelder zurückgeben muss. Diese Einnahmen werden laut IAAF-Sprecher Nick Davies auf rund 700.000 Dollar geschätzt.

Wie der gestürzte Tour-de-France-Sieger Floyd Landis und Ex-100-Meter-Weltrekordler Justin Gatlin, beide des Dopings überführt, steht Jones durch dieses harte Urteil vor dem Ruin - und es könnte noch schlimmer kommen: Wegen Falschaussage in zwei Fällen drohen ihr eine Geldstrafe von bis zu 500.000 Dollar sowie zehn Jahre Gefängnis. Das Urteil soll am 11. Januar 2008 bekanntgegeben werden. Zudem muss sie mit der offiziellen Aberkennung ihrer fünf Olympia-Medaillen von Sydney 2000 durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) rechnen.

Spätes Geständnis

Die 32 Jahre alte Kalifornierin hatte den Anfang vom Ende ihrer Karriere selbst eingeläutet: Am 5. Oktober hatte sie nach jahrelangem Schweigen und Leugnen zugegeben, mit dem Designer-Steroid THG gedopt zu haben. Drei Tage später hatte sie ihre fünf Olympia-Medaillen zurückgeschickt. Damals hatte sie der Streichung aller Resultate rückwirkend zum 1. September 2000 zugestimmt und die zweijährige Sperre der US-Anti-Doping-Agentur (USADA) akzeptiert.

Ob Jones auch offiziell ihre fünf Olympia-Medaillen verliert, kann nur das IOC entscheiden. Die Exekutive hat den Fall Jones bei ihrer nächsten Sitzung in Lausanne (10. bis 12. Dezember) ganz oben auf der Agenda, die Disziplinarkommission unter Vorsitz von IOC-Vizepräsident Thomas Bach ist seit Monaten mit der Affäre befasst.

Schwieriges Nachrückverfahren

Jones hatte in Australien drei Gold- (100 m, 200 m, 4 x 400 m) und zwei Bronzemedaillen (Weitsprung, 4 x 100 m) gewonnen. Die IAAF empfahl dem IOC, ihr diese Plaketten offiziell abzuerkennen. Ob dann auch die Staffel-Kolleginnen der US-Quartette über 4 x 100 Meter (Gold) und 4 x 400 Meter (Bronze) büßen müssen, ist noch unklar. IAAF-Präsident Lamine Diack, der Jones' Verhalten einst als «größten Betrug der Sportgeschichte» gebrandmarkt hatte, wollte zunächst offiziell nicht Stellung nehmen.

IOC-Präsident Jacques Rogge hat mehrmals betont, es gebe «automatisches Upgrade» beim Aufrücken der anderen Medaillengewinner. Als schwierigster Fall gilt bei IOC und IAAF die Griechin Ekaterina Thanou: Die Olympia-Zweite über 100 Meter von Sydney würde das Gold von Jones «übernehmen», steht aber nach dem Eklat bei Olympia 2004 in Athen und einer Dopingsperre selbst unter Verdacht.

Im Juni 2006 hatte Jones ihren letzten Wettkampf bestritten. Obwohl sie inzwischen ihre Laufbahn auf der Laufbahn beendet hat, erstreckt sich die Sperre bis zum 7. Oktober 2009. (ae mit dpa)

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