Radsport : Akte mit zwei Unbekannten

Die Staatsanwaltschaft entschlüsselt die Daten der entlassenen T-Mobile-Ärzte.

Freiburg - Die Staatsanwaltschaft Freiburg entschlüsselt derzeit die in der Sportmedizin der Uni-Klinik sichergestellten Akten der früheren Telekom- und T-Mobile-Teamärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid. „Das ganze T-Mobile-Team 2006 ist mit korrekten Namen und Adressen erfasst. Aber mindestens zwei Angaben von Namen passen nicht in diesen Komplex. Wir sind dabei, diese Angaben zu entschlüsseln“, sagte der zuständige Staatsanwalt Wolfgang Maier.

Sollten Sportler nach den Recherchen der Staatsanwaltschaft als aktive Doper enttarnt werden können, könnten sie nach dem neuen Anti-Doping-Recht nicht belangt werden – nur wenn ihnen laut Maier beispielsweise Beihilfe nachgewiesen werden könnte. Mit Veröffentlichungen zu dieser Sachlage werde die Staatsanwaltschaft erst in Erscheinung treten, „wenn die möglicherweise Betroffenen Gelegenheit hatten, sich bei uns zu äußern.“ Nach den Aussagen des früheren T-Mobile-Profis Patrik Sinkewitz und den Durchsuchungen der Praxis- und Privaträume der inzwischen entlassenen Ärzte war spekuliert worden, dass weitere Fahrer in der Uni-Klinik Freiburg Blut-Doping vorgenommen haben könnten. Der Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke sprach in diesem Zusammenhang von einem „Rhein-Konvoi“ während der Tour de France 2006 zwischen Straßburg und Freiburg.

Der damalige und jetzige Team-Kapitän Michael Rogers ist der Einzige aus dem Tour-Kader des Bonner Teams von 2006, der im Nachfolge-Team Bob Stapletons fährt. Der dreifache Zeitfahr- Weltmeister aus Australien hatte Verwicklungen in die Doping-Affäre stets abgestritten. Sinkewitz, der des Testosteron-Dopings überführt wurde und wegen Anwendung der Kronzeugen-Regelung nur ein Jahr Sperre sowie 40 000 Euro Geldstrafe erhielt, hatte zugegeben, während der Tour im Vorjahr gedopt zu haben.

Heinrich und Schmid klagen gegen ihre fristlose Kündigung durch die Uni-Klinik. Die neue „High Road“-Mannschaft Stapletons, die sich im Januar nicht wie in den vergangenen Jahren üblich zu einem großen Trainingslager in Mallorca zusammenfinden wird, setzt inzwischen auf andere Team-Ärzte. dpa

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