Radsport : Doping zum Trotz - T-Mobile bleibt Sponsor

Bis 2010 soll der Vertrag erfüllt werden: Trotz Dopingsündern im eigenen Team will der Telekom-Konzern sein Engagement im Radsport fortführen.

Andreas Zellmer[dpa]
070809t_mobile
T-Mobile-Sprecher Frommert, Radprofi Gerdemann, Manager Stapleton und Sportdirektor Aldag (l-r) -Foto: dpa

Saarbrücken Die Räder drehen sich weiter bei T-Mobile. Mutter-Konzern Deutsche Telekom, seit 1991 Sponsor im Profi-Radsport, werde mit seiner Mobilfunk-Tochter das Engagement wie zugesagt bis Ende 2010 fortsetzen - trotz des fortschreitenden Image-Verlustes durch Doping-Affären, die auch vor dem eigenen Team nicht haltmachten. "Wer verändern will, darf nicht weglaufen. Der Ausstieg wäre das falsche Signal gewesen", sagte T-Mobile-Kommunikations-Direktor Christian Frommert in Saarbrücken einen Tag vor dem Start der Deutschland-Tour.

Der von T-Mobile seit August 2006 eingeschlagene, strikte Anti-Doping-Kurs soll fortgesetzt werden. Profis und Management wollen sich zukünftig auch persönlich finanziell am Kampf gegen Manipulation beteiligen. Laut Frommert sollen Athleten und Führungspersonal Geld in einen Topf zahlen, dessen Umfang das Unternehmen auf eine Million Euro aufstocken wird, um den nationalen und internationalen Anti-Doping-Kampf zu unterstützen.

Beim nächsten Doping-Fall ist sofort Schluss

"Wir haben eine vernünftige Lösung gefunden", erklärte der Telekom-Vorstandschef René Obermann in Bonn. Zwei Wochen sei laut Frommert "offen und intensiv" diskutiert worden. Frommert warnte zudem, bei einem weiteren Doping-Fall im Team werde das Unternehmen sein Engagement "umgehend" beenden.

T-Mobile hatte sein finanzielles Engagement, das sich im Jahr auf knapp 12 Millionen Euro belaufen dürfte, nach den Ereignissen bei der jüngsten Tour de France auf den Prüfstand gestellt. Der Doping-Fall Patrik Sinkewitz war mitten in die Tour geplatzt und hatte das Team bis ins Mark getroffen. Nach dem Eklat um den einstigen Star Jan Ullrich im Vorjahr hatte die Rad-Mannschaft die Führungs-Etage ausgewechselt und sich einem rigorosen Anti-Doping-Kurs verschrieben. Nach dem Fall Sinkewitz, der Testosteron-Doping zugab und entlassen wurde, war das Festhalten des Kommunikations-Konzerns an der mehrfach zugesicherten Finanzierung in Zweifel gezogen worden.

Gerdemann: Signal für den gesamten Leistungssport

"Das ist für uns eine erfreuliche Nachricht. Der Sponsor begleitet uns weiter auf dem harten und schweren Weg zu mehr Glaubwürdigkeit im Radsport. Das ist ein Signal für den gesamten Leistungssport. Früher wollten Sponsoren nur Sieger, heute glaubwürdige Leistungen", sagte der 24-jährige Linus Gerdemann, der nach seinem Tour-Etappensieg und 24 Stunden im Gelben Trikot zum neuen deutschen Radsport-Liebling wurde. "Es geht darum, jungen Sportlern die Chance zu geben, in einem unbelasteten Umfeld Erfolg zu haben. Dafür haben wir weiter einen starken Partner und darüber bin ich sehr froh", erklärte Sport-Direktor Rolf Aldag, der im Mai Doping im Telekom-Team in den 90er Jahren gebeichtet hatte.

Von der T-Mobile-Entscheidung pro Radsport könnte ein Sog auf die anderen beiden großen Radsponsoren ausgehen. Der Mineralwasser-Hersteller Gerolsteiner will in den kommenden drei Wochen entscheiden, ob er über 2008 hinaus weitermacht. Der Nordmilch-Konzern, der finanziell hinter Milram steht, hat sich ebenfalls noch nicht entschieden, ob sie den nicht endenden schlechten Nachrichten weiter trotzen wollen. Sportartikelhersteller Adidas will erst in den nächsten Tagen über ein weiteres Sponsoring entscheiden. "Wir wollen der Telekom die Möglichkeit geben, uns ihr neues Konzept detailliert zu präsentieren", sagte Konzernsprecher Jan Runau.

Seit Ende 1991 engagiert sich die Deutsche Telekom im Profi-Radsport. Das Team Telekom hatte vor 16 Jahren das Team Stuttgart übernommen. Unter diesem Label gewann Bjarne Riis (Dänemark) 1996 die Tour de France. Ihm folgte ein Jahr später als erster deutscher Gesamtsieger Jan Ullrich. Auf beiden liegt inzwischen ein tiefer Schatten. Riis, Team-Manager von CSC, gestand Epo-Doping in den 90er Jahren, Ullrichs Verbindungen zu dem spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes wurden nachgewiesen. Ullrich bestreitet jedoch, jemals gedopt zu haben. Seit 2004 ist T-Mobile der Telekom-Nachfolger.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben