Doping : „Was nützt ein Freispruch?“

Ullrichs Verteidiger Schwenn zum Verfahrensende.

Herr Schwenn, sind Sie zufrieden mit dem Ausgang des Verfahrens?



Ja, sonst hätten wir diesem Ergebnis nicht zugestimmt.

Es stört Sie nicht, dass Jan Ullrich nicht freigesprochen wurde?

Was nützt es einem Mandanten, wenn er am Ende freigesprochen wird? Ein Freispruch ist schließlich kein Rehabilitationszeugnis. Jeder Freigesprochene muss heute damit leben, dass das Gericht in der Urteilsbegründung noch Zweifel äußert. Da ist unsere Lösung die bessere.

Die Staatsanwaltschaft hat erklärt, ihre Ermittlungen hätten ergeben, dass Ullrich gedopt hat.

Diese Erklärung kenne ich nicht. Wenn die Staatsanwaltschaft meint, einen hinreichenden Tatverdacht zu haben, soll sie Anklage erheben. Zum Verbreiten übler Nachrede ist sie nicht da. Das Angebot zur Einstellung des Verfahrens kam schließlich von der Staatsanwaltschaft. Und die weiß genau, warum sie Jan Ullrich die Einstellung des Verfahrens angeboten hat. Das macht man nicht, wenn man sich vorher so ins Zeug gelegt hat.

Weiterhin lässt die Erklärung der Staatsanwaltschaft den Schluss zu, dass Jan Ullrich deshalb nicht wegen Betrugs an T-Mobile verurteilt werden konnte, weil T-Mobile von den Dopingpraktiken wusste.

Das war eines der Hindernisse für eine Verurteilung. Wenn die Staatsanwaltschaft das erkannt haben sollte, würde es uns freuen.

Werner Franke versteht nicht, dass mit diesem Verfahren nun auch das Verfahren gegen Jan Ullrich wegen falscher eidesstattlicher Aussage eingestellt wird. Ist das nicht ein völlig anderer Straftatbestand?

Das stimmt natürlich. Aber auch hier war eine Verurteilung alles andere als wahrscheinlich.

Warum?

Aus verschiedenen Gründen. Aber erwarten Sie jetzt nicht von mir die Verteidigungsrede, die ich gehalten hätte, wenn es zu einer Hauptverhandlung gekommen wäre.

Die Fragen stellte Friedhard Teuffel.

Johann Schwenn, 61, arbeitet in Hamburg als Strafverteidiger und vertritt Jan Ullrich in mehreren Streitfällen. Schwenn verteidigte 2006 auch den Leichtathletiktrainer Thomas Springstein.

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