Sport : Doppelt fruchtig

Die Zwillinge Hamit und Halil Altintop wollen sich in der Bundesliga durchsetzen

Christoph Bertling

Gelsenkirchen. Um „Cash“ braucht sich Schalkes Manager Rudi Assauer diese Saison keine Sorgen zu machen. Seit einigen Wochen parkt allmorgendlich um acht Uhr ein Kleintransporter vor der Geschäftsstelle des Fußball-Bundesligisten und beliefert die Mitarbeiter. Ein Service, der auf Dakin Faretin zurückgeht. Faretin, genannt Cash, ist der Onkel von Hamit Altintop. Und seitdem sein 20-jähriger Neffe in Königsblau angreift, lässt es sich der türkische Gemüsehändler nicht nehmen, den Klub kostenlos mit Bananen, Äpfeln und Grapefruits zu beliefern.

Genau genommen ist Stürmer Hamit Altintop kein Zugang. Bereits seit Jahrzehnten leben die Altintops im Dunstkreis von Schalke 04. In Gelsenkirchen-City sind sie allerorts bekannt. Denn gerade einen Kilometer von der Arena floriert „Cashs“ Obstgeschäft. Auch Hamit wohnt mit seiner 60-jährigen Mutter nur wenige hundert Meter von seiner Arbeitsstätte entfernt. Dennoch entdeckten ihn Assauers Späher erst sehr spät. Viele Bundesligaklubs waren schon hinter Hamit her, ehe Schalke 04 zuschlug.

Für Furore sorgte Hamit bislang immer nur im Doppelpack mit seinem Bruder Halil, der nur zwölf Minuten später geboren wurde und diese Saison beim 1. FC Kaiserslautern anheuerte, wo er bislang nur zu einem Kurzeinsatz kam. In der Regionalliga waren die Zwillinge nicht zu halten. Sie schossen über Jahre für Wattenscheid Tor auf Tor. Der dortige Trainer Hannes Bongartz verhinderte dabei schon früh mögliche Allüren seiner Musterschüler. Gern nannte Bongartz die Zwillinge gelegentlich seine „Pastorentöchter“, weil sie nicht robust genug auf dem Feld agierten. Für Bongartz, der die Zwillinge von Schwarz-Weiß Gelsenkirchen nach Wattenscheid holte, ist Hamit „sehr fleißig und lernbegierig“. Leistungseinbrüche nehme er genauso professionell auf wie Höhenflüge. Dass Hamit am zweiten Spieltag gegen 1860 München nur kurz zum Einsatz kam, ärgerte den aufstrebenden Angreifer. Aus der Bahn wirft es ihn nicht.

Die Altintops kennen sich auch mit Zeiten aus, in denen es nicht läuft. Gerade im November fällt es ihnen schwer, sich durchzusetzen. Es ist die Zeit des Ramadans. Als gläubige Moslems dürfen sie in der Fastenzeit am Tag nichts essen. Die Altintops stehen deshalb schon um fünf Uhr auf, um noch vor Sonnenaufgang zu frühstücken. Nur an Spieltagen genehmigen sie sich eine Ausnahme.

Dass den Spähern die Altintop-Brüder erst so spät auffielen, hat unangenehme Nebenwirkungen. Manager Assauer musste nicht nur stattliche 1,8 Millionen Euro berappen, um Hamit aus seinem Vertrag in Wattenscheid freizukaufen. Beide Altintops spielten zudem bereits international für die türkische Junioren-Auswahl. Damit sind sie für die deutsche Nationalmannschaft verloren. Selbst wenn sie den bereits beantragten deutschen Pass erhalten, wird sich daran nichts mehr ändern.

Hamit versteht seine deutsch-türkische Herkunft als Vorteil. Wie jüngst, als er seine Türkischkenntnisse wieder einmal nutzte, um deutsche Journalisten zu verwirren. Auf die Frage, was Altintop übersetzt heiße, antwortete der 20-Jährige: „Grapefruit“. Auch wenn es eigentlich gar keine richtige Übersetzung für seinen Namen gibt. Seinen Onkel, den Obsthändler, wird es freuen.

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