Sport : Dorfjunge in Designerklammotten

Auch in Münchens Glitzerwelt bleibt der Fußballstar Toni immer der Luca aus der italienischen Provinz

Michael Neudecker[München]

Es gibt dieses Bild: Ein paar italienische Männer, sie liegen sich in den Armen und grinsen, typische Oktoberfest-Touristen, keine Model-Italiener, einer hat ein rotes Gesicht. Und mittendrin steht Luca Toni, er grinst auch, nein – er lächelt, sein Haar ist wie immer makellos zur Werbekatalogfrisur gestylt. Das Model Luca Toni und seine Fans, so sieht das nächtliche Bild aus dem Weinzelt aus, doch tatsächlich heißt es: Luca Toni und seine alten Freunde aus Modena beim Feiern.

Das Foto sagt viel aus über den Fußballspieler Luca Toni, und darüber, wie er lebt in München. Er ist in Stella aufgewachsen, einem 300-Seelen-Dorf in der Toskana. Er hat jeden Tag nach der Schule Fußball gespielt, manchmal hat seine Mutter für ihn die Hausaufgaben gemacht. Als er älter wurde, ist er zu italienischen Provinzklubs gewechselt und abends gerne in die Disko gegangen. Inzwischen ist er 30 und ein Star im italienischen Nationalteam, das am Samstag gegen Georgien antrat (nach Redaktionsschluss). Doch seine Freunde hat er nie vergessen. Als er 2006 Weltmeister wurde, hat er jedem ein Trikot geschickt, signiert mit den Worten: „Dass ich Weltmeister bin, verdanke ich auch dir.“

Obwohl Luca Toni nun in München beim ruhmreichen FC Bayern angekommen ist, ist er irgendwie immer noch der Junge aus dem Dorf geblieben. Auch wenn man ihm das nicht ansieht: Er trägt Designer-Sonnenbrillen und edle Klamotten, und wenn er nach dem Training aus dem Vereinsgebäude an der Säbener Straße tritt, dann sieht er oft aus, als sei Karl Lagerfeld sein Arbeitgeber und nicht Uli Hoeneß. Doch der Eindruck täuscht. Das Geld hat ihn nicht maßlos gemacht. Obwohl ihm die Bayern jährlich fünf Millionen Euro netto überweisen, lehnte er die ihm vom Klub vermittelte Wohnung für 4000 Euro monatlich ab. Zu teuer.

In Stella sagen sie, Luca Toni ist immer noch der Alte geblieben: bodenständig, keine Allüren. Mit seiner Freundin, dem 29 Jahre alten Model Marta Cecchetto, ist er seit zehn Jahren zusammen, sie hat sich in ihn verliebt, als er noch unbekannt war und das Tor dauernd verfehlte. Wenn er ausgeht – und das tut er immer noch so gern, wenn auch nicht mehr so oft wie früher – ist sie meist dabei. Am ersten Abend waren die beiden gleich zusammen mit dem ehemaligen Bayern-Stürmer Ruggiero Rizzitelli in der Münchner Edel-Trattoria „Brenner“ und die Boulevardpresse notierte begeistert, was er trug, was er bestellte, was er zum Kellner sagte. Dabei gibt sich Toni so unverfänglich, wie es sein nettes Lächeln und sein ständiges „tutto bene“ vermuten lassen: Er genießt das Nachtleben, doch er liefert nichts von Belang. Skandale sind von ihm nicht zu erwarten.

Mittlerweile haben die beiden eine Wohnung gefunden, im eleganten Münchner Stadtteil Lehel, in unmittelbarer Nachbarschaft des Hauses der Kunst, der Staatskanzlei und des Englischen Gartens. „Ich habe alles im Alleingang eingerichtet und dekoriert“, sagt Tonis Freundin Marta, „bunt, hell, lebendig, ein bisschen Barock.“ Luca Toni stellte nur eine einzige Bedingung: ein großer Fernseher. Wenn es um die Auswahl der Filme geht, dann, sagt Marta Cecchetto, will er am liebsten immer nur „Gladiator“ sehen. Luca Toni ist eben ein Mann wie alle anderen auf der Stehtribüne, nur ein bisschen schöner und reicher.

In München lieben sie ihn dafür. Wenn er ein Tor schießt – bislang waren es schon neun in acht Pflichtspielen –, dann spielen sie Gianna Nannini, und die Fans singen mit. „Mir gefällt es hier“, sagt Toni, „alle sind nett zu mir.“ Tutto bene.

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