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Dortmund gegen Mainz : Gedrückte Stimmung nach Tod eines Zuschauers

Trauriger Abend in Dortmund - beim Heimsieg des BVB ist ein Zuschauer gestorben. Das 2:0 der Tuchel-Elf rückte am Sonntag in den Hintergrund. „You'll never walk alone“, sangen die Fans.

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Anteilnahme nach dem Spiel. Die BVB-Zuschauer gedenken des verstorbenen Fans.
Anteilnahme nach dem Spiel. Die BVB-Zuschauer gedenken des verstorbenen Fans.Foto: Reuters Fassbender

Es gibt Ereignisse, die wiegen schwerer als Kombinationen, Torschüsse, Ergebnisse oder Tabellenkonstellationen. Zum Beispiel, wenn ein Fußballspiel von einem Todesfall überschattet wird, wie am Sonntagabend in Dortmund. Zu Beginn der zweiten Halbzeit machte in der riesigen Betonschüssel des Stadions die Nachricht die Runde, dass es während des Bundesligaspiels von Borussia Dortmund gegen Mainz 05 auf den Rängen einen Todesfall gegeben hatte. Für einen 80 Jahre alten Rentner kam jede Hilfe zu spät, sein Leben konnte von den Einsatzkräften nicht mehr gerettet werden. Es gab noch einen zweiten Notfall, dessen Zustand im Krankenhaus stabilisiert werden konnte
Dass unter solchen Umständen ein Punktspiel stattfand, geriet zur Nebensache: Die heimische Borussia schlug Mainz 05 vor 81.000 Zuschauern 2:0 (1:0) und bleibt beste Rückrundenmannschaft. Der BVB bestimmte vom Anpfiff weg das Spielgeschehen, ohne wirklich dominant zu sein. Es war ein zähes Ringen gegen gut organisierte Mainzer, die es lange schafften, das Spiel von der gefährlichen Zone entfernt zu halten. Der BVB spielte mit zu wenig Tempo, das dachte sich nach einer halben Stunde wohl auch Gonzalo Castro. Der Mittelfeldspieler schnappte sich den Ball, zog los, bediente Reus, der lässig einschob und damit seinen Ruf als 1:0-Spezialist zementierte. Bereits zum neunten Mal in dieser Spielzeit besorgte der Nationalspieler die Führung für den BVB.

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BVB-Anhänger nach Todesfall: 'Es war gespenstisch'
BVB-Anhänger nach Todesfall: 'Es war gespenstisch'

Dortmund war die bessere Mannschaft, hatte nur anfänglich Schwierigkeiten

Mit dem Erfolgserlebnis im Rücken gelang es der Borussia besser, mehr Leichtigkeit in ihre Darbietung zu bringen. Auch nach dem Seitenwechsel marschierten die Gastgeber. Kagawa hatte das 2:0 auf dem Fuß, vor allem aber Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang, der innerhalb kürzester Zeit dreimal am hervorragend disponierten Mainzer Schlussmann Loris Karius scheiterte. Zu diesem Zeitpunkt war es im Stadion ungewohnt ruhig, weil die traurige Nachricht die Runde machte, unter den Zuschauern habe es zwei Todesfälle gegeben, worauf die Ultras ihre Fahnen einrollten und die Südtribüne ihre Gesänge einstellte. Später wurde diese Meldung insofern relativiert, dass ein Zuschauer reanimiert werden und ins Krankenhaus gebracht werden konnte.
Dortmunds Spieler bekamen davon auf dem Rasen zunächst nichts mit und spulten weiter ihr Pensum ab. Marco Reus berichtete nach dem Abpfiff, er sei zunächst „irritiert“ gewesen: „Wir haben nicht mitbekommen, ich habe mehrmals beim Schiedsrichter nachgefragt, warum hier eine solch merkwürdige Stimmung ist.“
Dann fiel das aufgrund der mittlerweile einseitig verteilten Kräfteverhältnisse mehr als verdiente 2:0 durch Kagawa, das die Spieler auf dem Rasen ohne großen Jubel zur Kenntnis nahmen. Offensichtlich hatten auch sie mittlerweile die Ereignisse mitbekommen, die schwerer wogen als die Freude über ein Tor. Reus sprach von einem „extrem tragischen Ereignis, da rückt das Spiel natürlich in den Hintergrund“. Nach dem Abpfiff bat Stadionsprecher Norbert Dickel die Fans darum, auf die üblichen Feierlichkeiten zu verzichten und den Verstorbenen stattdessen mit Gesang zu begleiten. Und das tat die Südtribüne dann auch auf eindrucksvolle Art und Weise: „You’ll never walk alone.“ Reinhard Rauball, Präsident des BVB und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zeigte sich beeindruckt von dieser geschlossenen Reaktion: „Ich habe es noch nie erlebt, dass Zuschauer ihre Trauer und den Respekt vor dem Tod dermaßen geschlossen darbieten.“

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