Dortmund - Hertha 1:1 : Ein Patzer, ein Punkt, ein strenger Trainer

Hertha führte lange in Dortmund. Doch am Ende blieb den Berlinern nur ein 1:1. Weil der ansonsten starke Torwart Drobny patzte.

Claus Vetter[Dortm]
Bundesliga 08 09 - Borussia Dortmund vs. Hertha BSC
Zu spät. Kehl ist mit dem Kopf schneller am Ball als Drobny mit der Hand.Foto: Fishing 4

Es hat nicht viel gefehlt zu einer kleinen Serie von Hertha BSC in der Bundesliga. Nicht einmal 20 Spielminuten waren die Berliner am Sonntag beim Spiel in Dortmund von ihrem dritten Sieg in Folge entfernt, als sich der bis dahin überragende Torwart Jaroslav Drobny gründlich in seinem Stellungsspiel verschätzte und die schon frustrierten Dortmunder noch zum 1:1-Ausgleich kamen.

Dabei hatte der Großteil der 66.600 Zuschauer im ungemütlichen Dortmunder Nieselregen zuvor kein gemütliches Bundesligaspiel erlebt. Denn der aus Berlin angereiste Gegner hatte lange den effektiveren Fußball gespielt – bis zu Drobnys Fehler und dem daraus resultierenden Kopfballtor durch Sebastian Kehl.

Warum gelingt Hertha kein Siegtor per Konter?

Lucien Favre wusste dann auch nicht so recht, ob er nach dem Spiel zufrieden sein konnte mit dem 1:1 (1:0). Herthas Trainer sagte zwar, dass er mit dem Punkt leben könne, zeigte dann aber Strenge. „Wir können ja auch mal nach einem Konter das 2:1 schießen“, sagte der Schweizer. „Warum eigentlich gelingt uns das nicht?“ Diese Frage ließ sich einfach beantworten: Hertha war nach einer sehr ordentlichen ersten Halbzeit im zweiten Durchgang  zu passiv, um mehr zu erreichen als ein Unentschieden.

Ein Problem hatte Favre am Sonntag immerhin nicht. Über die Aufstellung seiner Mannschaft brauchte er nicht lange zu grübeln. Sein Team stellte sich fast von selbst auf. In Dortmund mussten auch noch Andrej Woronin (Fußprellung) und Josip Simunic (muskuläre Probleme im Oberschenkel) passen – neben einem halben Dutzend verletzter Stammspieler. Besonders kritisch war dabei der Ausfall von Simunic in der Innenverteidigung. Allerdings machte Ersatz Kaka seine Sache erstaunlich gut, abgesehen von einem kleinen Schnitzer, der Tinga nach wenigen Minuten eine Möglichkeit eröffnete. Doch der Schuss des Dortmunders ging über das Tor von Drobny, der dann wenig später einen Schuss von Alexander Frei souverän zur Ecke lenkte.

Auf der anderen Seite des Feldes wurden die anfangs sehr zarten Berliner Angriffsbemühungen danach energischer. Ein ungenauer Schuss von Marko Pantelic landete auf dem Fuß von Cicero, Marcel Schmelzer hobelte den Ball noch gerade so von der Dortmunder Torlinie. Häufig ließen sich die Borussen danach auch von den konterstarken Berlinern düpieren: Aus so einer Szene ebnete Raffael den Weg für Herthas Führungstreffer. Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller holte den Brasilianer im Strafraum von den Beinen, Schiedsrichter Florian Meyer aus Burgdorf zeigte auf den Elfmeterpunkt. Dort schnappte sich Cicero den Ball, täuschte an, Weidenfeller flog  in die falsche Ecke und der Ball landete halblinks halbhoch im Dortmunder Tor.

Starker Drobny, schwacher Drobny

In der Schlussphase der ersten Halbzeit rettete Drobny den Berlinern dann mit einer Fußabwehr nach einem Schuss von Tamas Hajnal noch die Führung in die Pause. Verdient wäre der Ausgleich zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht gewesen, die für Dortmunder Verhältnisse erstaunlich zurückhaltenden Zuschauer sahen es wohl genauso. Es war eine souveräne Vorstellung der Berliner in den ersten 45 Spielminuten, die dann im zweiten Durchgang aber nicht ihre Fortsetzung fand. Dortmund drückte und Herthas Unsicherheit wurde bestraft. Nach einem Eckball köpfte Sebastian Kehl den verdienten Ausgleichstreffer. Drobny hatte die Flugbahn des Balles falsch eingeschätzt und faustete ins Leere.

„Wenn man so lange führt, dann will man natürlich auch drei Punkte haben“, sagte Herthas Mannschaftskapitän Arne Friedrich nach dem Spiel. „Aber uns haben am Ende einfach die Kräfte gefehlt.“ So sah es wohl aus. Friedrichs Mannschaft hatte in Dortmund im zweiten Durchgang keine gute Torchancen und so war das Unentschieden nach zuletzt zwei Siegen ein kleiner Erfolg für Hertha. Angesichts der vielen personellen Ausfälle und der mit Platz sechs guten Situation in der Tabelle  vielleicht sogar noch mehr.

Dortmunds Trainer Jürgen Klopp fand dann auch, dass sein Berliner Kollege Favre zu sehr gemeckert habe. „Hertha muss mit dem Unentschieden zufrieden sein“, sagte Klopp. „Den Elfmeter hätte man nicht geben müssen.“

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