Sport : Dortmund - Stuttgart: Keiner spricht mehr vom Titel

Arnulf Beckmann

In der 82. Minute wurde es selbst Matthias Sammer zu bunt. Als sein Team in der Schlussphase eines müden Fußball-Bundesligaspiels bei der Ausführung eines Freistoßes nicht den von ihm geforderten Elan an den Tag legte, stürmte der BVB-Coach so rasch wie es seine maladen Kniegelenke zuließen auf den Rasen, um den Ball so rasch wie möglich an den Ort des Geschehens zu befördern. Am liebsten wäre er gleich dort geblieben, um seiner Mannschaft die nötige Leidenschaft einzuhauchen, die ihn zu seiner aktiven Zeit auszeichnete. Doch zu diesem Zeitpunkt spielten die Dortmunder weit länger gegen die Zeit als gegen einen harmlosen Gegner, der sich das 0:0 aber bestenfalls aufgrund des Einsatzwillens verdiente. "Normalerweise", sagte Sammer, "verlierst du so ein Spiel noch."

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Um ein Haar wäre es sogar so gekommen. Hätte Ganea in der 79. Minute aus kürzester Distanz statt Schlussmann Jens Lehmann das Tor getroffen, Sammer hätte sich in seiner Kurz-Analyse auf das Unerfreulichste bestätigt gefunden. Das geschah allerdings zu einem Zeitpunkt, als die Dortmunder bereits jegliche ernste Absicht, den Ball ins gegnerische Tor zu bringen, eingestellt hatten. Und für die auch nach diesem Spiel abstiegsbedrohten Schwaben war es sowohl die erste als auch die einzig nennenswerte Chance an diesem kühlen Maiabend. Die Westfalen hatten derer gleich eine Hand voll mehr. Doch entweder parierte Stuttgarter Torhüter Timo Hildebrand oder aber Fredi Bobic und Co. vergaben. Kein Wunder also, dass Dortmunds Verteidiger Stefan Reuter nach Spielschluss "kaum einen Unterschied in der Zielstrebigkeit beider Teams" ausgemacht hatte. An diesem Abend gab es sie einfach nicht.

Womit der Kapitän der Borussia den Finger in die Wunde gelegt hatte. Auch die sportliche Auseinandersetzung mit den Schwaben hatte wieder einmal deutlich gemacht, wo in dieser Spielzeit der Schwachpunkt der Schwarz-Gelben liegt. Das Herausarbeiten von Torchancen funktioniert bisweilen tadellos, das Verwerten hingegen ist hier und da einer Abmahnung würdig. Vom Titel jedenfalls spricht seit Freitagabend in Dortmund niemand mehr. Schon gar nicht Michael Meier. "Wir", so der BVB-Manager, "waren in dieser Saison zu keinem Zeitpunkt in der Lage, Meister zu werden."

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