Dortmunds Gegner : Schachtjor Donezk hat Kohle für Brasilianer

Der Oligarch Rinat Achmetow pumpte eine Milliarde in Dortmunds Champions-League-Gegner Donezk. Er schenkte seiner Stadt die hochmoderne Dombass-Arena und noch viel mehr.

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Der Trainer von Donezk, Mircea Lucescu.
Der Trainer von Donezk, Mircea Lucescu.Foto: AFP

Grau ist es in Donezk, ungemütlich und insgesamt wenig freundlich. Die Stadt weit im Osten der Ukraine ist nun mal von Industrie geprägt, Donezk lebt in erster Linie vom Kohlebau. Wer am Flughafen ankommt, für eineinhalb Hrywnja (umgerechnet 15 Cent) bei einer älteren Dame im blauen Kittel ein Ticket löst und mit dem Linienbus in die Stadt fährt, sieht keine fröhlichen Gesichter. Das Leben hier ist nicht leicht, ein wenig Abwechselung in den beschwerlichen Alltag bringen die Fußballer von Schachtjor. Das bedeutet in der Übersetzung Bergarbeiter und dokumentiert, was in der Region im Mittelpunkt steht.

Die Profis vom 1936 gegründeten Verein dürfen am Mittwoch im Achtelfinale der Champions League gegen den Deutschen Meister Borussia Dortmund antreten (20.45 Uhr, live im ZDF und auf Sky), weil sie einen steinreichen Geldgeber haben, der sich sein Hobby ein Vermögen kosten lässt. Rinat Achmetow heißt der Mann, er ist die mächtigste Gestalt der Stadt. Der Aufstieg des Bergmannssohns aus Donezk ist eine dieser Erfolgsgeschichten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Dem Oligarchen gehört ein Firmengeflecht mit rund 300 000 Angestellten, Hochöfen, Kohleminen, einer Bank und dem TV-Sender „Ukrainia“. Das Vermögen von Achmetow wird auf 16 Milliarden Euro geschätzt, eine Milliarde davon soll der Mäzen seit 1996 in den Klub seines Herzens gepumpt haben. Unter anderem schenkte er seiner Stadt die hochmoderne Dombass-Arena, die bei der EM im vergangenen Jahr in den Blickpunkt rückte.

Neben diesem architektonischen Highlight sorgt Achmetow auch dafür, dass sich gleich acht brasilianische Profis im Kader keine Sorgen um ihre Altersvorsorge machen müssen. Erst vor wenigen Wochen wurde Taison für 15 Millionen Euro vom Liga-Konkurrenten Metalist Charkow verpflichtet, dafür zog es Landsmann Willian für eine Ablösesumme von 35 Millionen Euro zum russischen Klub Anschi Machatschkala.

Übrigens spielen alle Brasilianer bei Schachtjor in Mittelfeld oder Sturm, die verbliebenen Spieler aus der Ukraine kümmern sich um die Defensive. Geführt wird das Team vom rumänischen Trainer Mircea Lucescu, der den Job im Jahre 2004 von Bernd Schuster übernahm und seine Mannschaft seitdem mit harter Hand führt. Erfolge bleiben nicht aus, sechs Mal holte Schachtjor Donezk unter Lucescus Regie die Landesmeisterschaft, die bisherige Krönung war der Sieg im Uefa-Pokal 2009 gegen Werder Bremen. Unangenehme Berühmtheit erlangte Schachtjor danach durch Luiz Adriano, als der Stürmer im November frecherweise nach einem Schiedsrichterball gegen Nordsjaelland traf. Seine Sperre von einem Spiel hat er abgesessen. Die Dortmunder sind also gewarnt. „Das wird ein intensives Spiel zweier guter Mannschaften“, sagte Trainer Jürgen Klopp nach der Ankunft im grauen Donezk.

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