Sport : Drei Tore für alle Libanesen

Das wundersame Comeback des Freiburger Stürmers Roda Antar

Christoph Kieslich

Freiburg. In den Hauptnachrichten des libanesischen Fernsehens war Roda Antars famose Rückkehr auf den Fußballplatz am Samstag Abend eine besondere Erwähnung wert. Das ist kein Wunder, denn als Antar als 20-Jähriger seine Heimat Tadamon im Süden des Landes verließ, galt er schon als große Hoffnung. Das war vor zweieinhalb Jahren, und nach einem Probetraining bei Bayern München landete der Mittelfeldspieler als erster Libanese in der Bundesliga beim Hamburger SV. 23 Spiele und zwei Treffer später verschwand Antar im Februar dieses Jahres in der Versenkung, ohne den Durchbruch geschafft zu haben.

Der ist ihm am Samstag an anderer Stelle gelungen. Im Dreisamstadion waren erst elf Minuten verstrichen, als aus der Nordkurve „Roda Antar Fußballgott“-Rufe laut wurden. „Das ist doch schön“, sagte Volker Finke. Der Freiburger Trainer, ansonsten Fußballheiligkeiten gegenüber eher skeptisch, machte nur eine winzige zeitliche Einschränkung: „Fußballgott für eine Woche.“ Gut möglich, dass die Verehrung anhalten wird, denn für dieses Comeback gibt es keine Parallele: Drei Tore wurden es im ersten Spiel für einen Klub, bei dem Neuankömmlingen stets viel Geduld entgegengebracht wird auf dem Weg der Integration.

Roda Antar, der in Freetown in Sierra Leone geboren wurde, hat eine komplizierte Verletzung hinter sich, die er sich in einem Spiel der HSV-Amateure zugezogen hatte. Im Hamburg wurde er verfrüht wieder ins Rennen geschickt, und erst eine Nachoperation in Basel brachte einen Mittelfußbruch endgültig in Ordnung. „Er hat eine lange Leidenszeit hinter sich“, sagt Finke, der sich im vergangenen Frühjahr bei seinem Spieler Benjamin Kruse, vormals HSV, inzwischen beim MSV Duisburg, erkundigt hatte: „Was macht eigentlich Antar?“ In Hamburg rechnete offenbar niemand mehr mit dem Libanesen, jedenfalls bezeichnet es Finke als Glücksfall, einen Spieler dieser Qualität kostengünstig nach Freiburg holen zu können. Seinerzeit hatte der HSV 500 000 Dollar Ablöse in den Libanon überwiesen.

Seit drei Wochen erst ist Antar wieder gesundgeschrieben. „Wir können von ihm profitieren, und er kann von uns profitieren“, sagt Volker Finke. Antar selbst war bei seinem fulminanten Comeback nach elf Monaten „einfach nur glücklich“. Er dankte dem Trainer, „der mir die nötige Zeit gegeben hat“ und erklärte, was daheim passiert: „Wenn ich ein Tor schieße, dann hat jeder Libanese ein Tor geschossen.“

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