Dritte Liga : 1. FC Union: Wie die Bayern

Präsident Dirk Zingler traut dem 1. FC Union nach dem Sprung an die Tabellenspitze der Dritten Liga nun alles zu

Matthias Koch

Berlin - Uwe Neuhaus hat seine persönliche Werteskala neu ausgerichtet. Nach dem 3:2-Erfolg über den SC Paderborn am Samstag kam der Trainer des Drittligisten 1. FC Union Berlin zu dem nicht unerwarteten Schluss: „Das war eindeutig mein schönster Sieg mit Union. Die Art und Weise, wie die Mannschaft den 0:2-Rückstand noch umgebogen hat, war beindruckend.“ Der angenehme Nebeneffekt: Die Köpenicker stehen jetzt an der Tabellenspitze.

Kein Wunder. Der 1. FC Union tritt momentan so auf wie Bayern München in seinen besten Zeiten. Die Köpenicker können derzeit machen, was sie wollen. Die Gegner spielten in den vergangenen Wochen häufig auf Augenhöhe mit, aber als Sieger ging immer die abgezocktere Mannschaft, die von Union, vom Rasen. „Nach unserem 0:2-Rückstand habe ich nicht mehr an einen Sieg geglaubt“, sagte Präsident Dirk Zingler. „Doch wenn man diese zweite Halbzeit gesehen hat, weiß man, was in der Truppe steckt. Ich traue ihr alles zu.“

Kritiker hatten stets angemerkt, dass die im Vergleich zum Vorjahr nur punktuell durch Verteidiger Patrick Kohlmann und Mittelfeldspieler Hüzeyfe Dogan verstärkte Stammelf bislang noch gar nicht gegen die stärksten Mannschaften der Liga gespielt habe. Doch nach zehn Partien ohne Niederlage und dem Erfolg gegen den als Spitzenreiter abgelösten SC Paderborn ist das Selbstvertrauen der Köpenicker kaum noch zu steigern.

Mit Trainer Uwe Neuhaus gibt es einen Trainer, der im bisweilen selbstverliebten Umfeld des Vereins jederzeit klaren Kopf behält. Neuhaus gibt selbst nach den sieben Siegen und drei Unentschieden in Serie keine Aufstiegsparolen aus. Der 48-Jährige klagte noch nicht einmal darüber, dass ihm ausgerechnet vor dem Spitzenspiel mit den verletzten Shergo Biran und Steven Ruprecht zwei wichtige Leistungsträger ausfielen. Für Ruprecht beorderte Neuhaus den erst 18-jährigen Christoph Menz auf die linke Abwehrseite, obwohl der bei Unions 2:1- Sieg in Bremen das Anschlusstor mitverschuldet hatte. „Das Klagen über Verletzte bringt mich nicht weiter“, sagt Neuhaus. „Demnächst stehen Gelbsperren an. Damit muss man immer rechnen.“

Der ungeliebte Jahn-Sportpark wird punktemäßig zur Goldgrube für Union. Dort ging, während der Umbauarbeiten im Stadion An der Alten Försterei in vollem Gange sind, bisher keines der sechs Heimspiele verloren. „Ich kann es nicht erklären. Irgendetwas ist da, was uns immer punkten lässt“, sagt Karim Benyamina. Der zweifache Torschütze hatte der Partie gegen Paderborn zusammen mit dem einmal erfolgreichen Nico Patschinski in den letzten 16 Minuten eine Wende gegeben. Für Trainer Neuhaus hängt die Erfolgsgeschichte seiner Elf aber nicht mit dem Jahn-Sportpark zusammen. „Wir spielen in dieser Saison einfach eine gute Serie, die wir auch in der Alten Försterei geschafft hätten“, sagte Neuhaus.

Aber nur 7500 Zuschauer wollten das Spitzenspiel gegen Paderborn live erleben. Präsident Dirk Zingler stört das offiziell nicht. „Wir haben Berlin ein Fußballfest versprochen. Und wir haben es geliefert“, sagte er. Matthias Koch

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