DSV : Schwimmer verlieren Ausrüster: Adidas kündigt Vertrag

Die deutschen Schwimmer haben offenbar so lange über die angeblich nicht konkurrenzfähigen Schwimmanzüge von Adidas geklagt, bis der Ausrüster nun den Vertrag mit dem DSV fristlos kündigt. Der Verband zeigt sich überrascht.

Richard Janssen,Marc Zeilhofer[dpa]

HamburgDeutschlands Schwimmer haben mit ihrer harschen Kritik ihren Ausrüster vertrieben und stehen im Kampf um einen sportlichen Neuaufbau plötzlich ohne Geldgeber dar. "Der Deutsche Schwimm-Verband wurde von Adidas heute über die fristlose Kündigung des bestehenden Ausrüstungsvertrages in Kenntnis gesetzt. Die Basis für eine weitere Zusammenarbeit ist auf Grund der jüngsten Ereignisse nicht mehr gegeben", schrieb Adidas-Sprecher Oliver Brüggen am Montag, einen Tag nach der Kurzbahn-EM in Rijeka. Der eigentlich bis Ende 2009 laufende Vertrag war für den DSV jährlich rund eine Million Euro wert. Die Aufkündigung stürzt den deutschen Schwimmsport in eine unabsehbare finanzielle Krise.

Der DSV wurde von der Kündigung völlig überrascht. "Ich sehe kein Fehlverhalten der Athleten und schon gar nicht des DSV", stellte DSV-Präsidentin Christa Thiel fest. Und: "Selbst wenn ein Athlet sich fehlverhalten würde, gäbe es eine klare Vertragsstrafen-Regelung." Generalsekretär Jürgen Fornoff wollte den Schritt von Adidas nicht kommentieren: "Ich muss nachdenken." Der Sportartikelhersteller machte indes deutlich, dass sich das Unternehmen auch künftig im Schwimmsport engagieren werde.

Nicht konkurrenzfähige Schwimmanzüge

Das Verhältnis zwischen dem Unternehmen und dem DSV war schon lange belastet. DSV-Schwimmer hatten bereits vor Olympia in Peking herbe Kritik an den angeblich nicht konkurrenzfähigen Schwimmanzügen geübt. Bei der am Sonntag zu Ende gegangenen Kurzbahn- Europameisterschaft in Rijeka, wo die Konkurrenz Welt- und Europarekorde am Fließband schwamm und die deutschen Schwimmer förmlich baden gingen, kochte die Anzug-Diskussion wieder hoch.

Der Vertrag des DSV mit Adidas läuft seit 2004. Britta Steffen schwamm in Peking zum Doppel-Olympiasieg. Die Berlinerin hat einen persönlichen Vertrag mit dem Unternehmen aus Herzogenaurach. Dieser Kontrakt ist nach den Olympischen Spielen verlängert worden und von der Kündigung des Vertrags mit dem Verband nicht betroffen.

Aus Europas Spitze verabschiedet

Schon die sportliche Bilanz der DSV-Schwimmer in Rijeka war ernüchternd. Während die Konkurrenz zehn Welt- und 14 Einzel-Europarekorde aufstellte, verbuchte das DSV-Team mit einer Gold-, drei Silber- und zwei Bronzemedaillen das schlechteste Abschneiden seit Einführung der EM-Titelkämpfe. "Wir sind keine europäische Spitze mehr als Mannschaft", stellte der neue Bundestrainer Dirk Lange nach der verpatzten Kurzbahn-EM fest. Auch Sportdirektor Lutz Buschkow zog ein ernüchtertes Fazit: "Das zeugt vom momentanen Stand des Schwimmens. Vor uns liegen viel Arbeit und hartes Training."

Vor einem Jahr mit 19 Medaillen noch die erfolgreichste europäische Nation, fand sich sich der DSV mit lediglich sechsmal Edelmetall auf Platz acht des Medaillenspiegels wieder. Und mit den High-Tech-Anzügen der Konkurrenz war nicht alles erklärbar. Routiniers und Youngsters blieben allzu deutlich hinter ihren Leistungen der deutschen Meisterschaft zwei Wochen zuvor zurück.

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