Sport : Düsteres Déjà-vu

Rafael Nadal scheitert erneut – diesmal am unscheinbaren Belgier Steve Darcis.

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Fehltritt. Rosol ist ausgeschieden. Foto: AFP Foto: AFP
Fehltritt. Rosol ist ausgeschieden. Foto: AFPFoto: AFP

London – Lukas Rosol hatte auf Court 19 am Fuße des kleinen Hügels, den die Briten immer noch liebevoll „Henman Hill“ nennen, längst enttäuscht seine Tasche gepackt. In diesem Jahr würde nicht er die Schlagzeilen von Wimbledon bestimmen. Nicht wie beim letzten Mal, als der Tscheche als Nummer 100 der Welt den großen Rafael Nadal in der zweiten Runde bezwang. Das war eine Sensation, der Mallorquiner hatte nie zuvor so früh bei einem Grand Slam verloren. Doch nun, nur 30 Meter Luftlinie von Rosol entfernt auf Court 1, sollte sich der sportliche Albtraum für Nadal dennoch wiederholen. Es wurde sogar noch schlimmer. Denn dieses Mal war es mit dem Belgier Steve Darcis gar die Nummer 135 der Welt und bereits die erste Runde. Niemals war der achtmalige French-Open-Sieger zum Auftakt und gegen einen so tief platzierten Gegner bei einem Major-Turnier gescheitert. Darcis hatte seine Freude durchs Stadion geschrien, als er mit einem Ass den 7:6, 7:6 und 6:4-Triumph perfekt machte. „Mir hat das heute niemand zugetraut, aber das ist ein großer Sieg für mich“, jubelte Darcis.

Wie Rosol zuvor spielte auch der 29 Jahre alte Belgier die Partie seines Lebens. Er rannte über den Platz, als hinge sein Leben davon ab. Er kämpfte verbissen um jeden Ball und erreichte manchmal sogar die unerreichbaren. Nichts schien den stets so unscheinbaren Belgier an diesem Tag von seiner Mission abbringen zu können. Nadal schon gar nicht.

Es war sein erstes Match auf Rasen, denn nach den French Open hatte er auf das Vorbereitungsturnier im westfälischen Halle verzichtet. Sein Körper brauchte dringend eine Pause nach der Tortur seines Comebacks im Februar. Nur zwei seiner 45 Matches hatte Nadal in dieser Zeit verloren, dabei sieben Titel eingeheimst. Dieser Kraftakt, den er in Paris krönte, hatte Spuren hinterlassen. Offensichtlich in seinem lädierten Knie, das ihn schon gegen Rosol gehandicapt und ihm die monatelange Zwangspause eingebrockt hatte. „Es ist nicht der Moment, um über mein Knie zu reden“, wiegelte Nadal kategorisch ab, „alles würde nur nach einer Ausrede klingen. Das lasse ich nicht zu.“ Dabei war nicht zu übersehen gewesen, dass der 27-Jährige bei den Richtungswechseln Probleme hatte, manchen Bällen ging Nadal gar nicht mehr nach. Und ab Mitte der Partie hinkte er leicht mit dem linken Bein. Nadal schien Schmerzen zu haben. „Ich habe alles versucht“, meinte der Spanier, „aber er hat gut gespielt, und ich habe verloren. So ist der Sport.“

Bei aller Freude wusste auch Darcis, dass er den zweimaligen Wimbledon-Champion in einem günstigen Moment erwischt hatte. „Natürlich schlägt man Nadal nicht, wenn er sein bestes Tennis spielt“, sagte der Belgier, „aber ich weiß nicht, ob er verletzt war.“ Doch dass Darcis 46 Winner gegen Nadal gelangen, gilt als deutliches Indiz, dass der Weltranglisten-Fünfte angeschlagen war. Nach der Niederlage gegen Rosol war Nadal sieben Monate außer Gefecht, sogar über sein vorzeitiges Karriereende wurde spekuliert. „Dieses Mal wird es nicht so lange dauern“, versprach Nadal. Doch er ließ bei seinem Abgang viele Fragen offen. Petra Philippsen

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