Sport : Duo im Rückspiegel

Vettels größte Titelrivalen sind sein Teamkollege Mark Webber und der Ferrari-Star Fernando Alonso

Karin Sturm[Melbourne]
In Lauerstellung. Sebastian Vettel muss Fernando Alonso (r.) und Mark Webber im Blick behalten. Fotos: GEPA pictures/Kniepeiss, dpa (25), Reuters - Montage: Lobers
In Lauerstellung. Sebastian Vettel muss Fernando Alonso (r.) und Mark Webber im Blick behalten. Fotos: GEPA pictures/Kniepeiss,...

Als Weltmeister ist man der Gejagte. Sebastian Vettel macht diese neue Rolle aber nichts aus. Er fühlt sich sehr wohl mit der Startnummer 1 auf seinem Auto – eine Nummer, die er natürlich am liebsten nie mehr hergeben möchte. „Unser Ziel ist es, da weiterzumachen, wo wir aufgehört haben, und den Schwung mitzunehmen“, sagte der 23-Jährige vor dem Saisonauftakt in Melbourne, wo heute zum ersten Mal die Motoren dröhnen werden (2.25 Uhr/live bei Sky und 6.25 Uhr/live bei Sky und Sport 1). Die Chancen dafür, dass Vettel die schönste Zahl im Feld auch nach dem letzten Rennen der Saison behalten darf, stehen ziemlich gut. Der Titelgewinn 2010 brachte nicht nur ihm, sondern dem ganzen Rennstall Red Bull Sicherheit. Sein Team, bei dem er seinen Vertrag bis 2014 verlängert hat, machte bei den Wintertests nicht nur einen überzeugenden Eindruck, sondern schien mit der Konkurrenz zeitweise geradezu zu spielen. Auch der Schwachpunkt der Vergangenheit – die Zuverlässigkeit des Autos – scheint behoben zu sein. Auch wenn echte Prognosen auch wegen der neuen Pirelli-Reifen schwierig sind: Der RB7 – von Vettel liebevoll „Kinky Kylie“ genannt – ist wohl das Auto, mit dem man den Titel 2011 holen kann.

Unter diesen Umständen könnte Vettels größter WM- Konkurrent sein eigener Teamkollege werden: Mark Webber. Doch die Psychologie spricht gegen den Australier, der genau weiß, dass er 2010 wahrscheinlich die Chance seines Lebens vergeben hat. Außerdem entwickelt sich Red Bull immer mehr zum Team Vettel – mit seinen ständigen Klagen in letzten Jahr hat Webber das sogar noch beschleunigt. Für den 34-Jährigen stellt sich wahrscheinlich sogar die Frage, ob er bei Red Bull wirklich noch eine Zukunft hat, sollte er das interne Duell gegen Vettel wieder verlieren. Abschreiben darf man ihn deshalb aber nicht: Im Laufe seiner Karriere hat Webber schon mehrfach seine Kämpferqualitäten bewiesen.

Der härteste Verfolger der rasenden Getränkedosen ist wohl Ferrari. Gerade über längere Distanzen war der Rückstand nicht allzu groß. Die Vorgabe von Präsident Luca di Montezemolo, der nach der WM-Niederlage 2010 gefordert hatte, „im nächsten Jahr müssen wir von Anfang an das beste Auto haben“, hat man aber offensichtlich nicht wirklich erfüllt. Intern war zu hören, dass sich Teamchef Stefano Domenicali bislang eher unzufrieden gab.

Trotzdem zeigt sich zumindest Fernando Alonso sehr optimistisch. Der zweimalige Weltmeister kündigte forsch an, dass der Titel 2011 ihm gehöre – und die 2012 und 2013 dann gleich auch. Das Selbstbewusstsein des Spaniers hat offenbar unter der dramatischen Pleite im letzten Rennen 2010 gegen Vettel nicht gelitten. Alonso hat immerhin den Vorteil, dass er die klare Nummer eins im Stall ist. Von seinem Teamkollegen Felipe Massa ist keine wirkliche interne Konkurrenz mehr zu erwarten. Spätestens im Zuge der Teamorder-Affäre letztes Jahr in Hockenheim wurde dem Brasilianer endgültig klargemacht, dass er höchstens zu Alonsos Erfüllungsgehilfen taugt.

Der Weltmeisterschaftskampf dieses Jahres scheint also ein Dreikampf zu werden – wenn es nicht noch eine Überraschung gibt. Etwa durch Lotus-Renault, das mit Nick Heidfeld am Steuer bei den Tests überzeugte. Auch Mercedes scheint beim letzten Test in Barcelona einen erheblichen Sprung nach vorne gemacht zu haben. Ein großes Fragezeichen steht hinter McLaren-Mercedes. Sowohl Lewis Hamilton als auch Jenson Button klagten über das langsame neue Auto, auch wenn man die Zuverlässigkeitsprobleme langsam in den Griff bekommt. Dass Button nun vom Sieg in Melbourne spricht, weil die Strecke im Albert Park doch immer sehr gut zu ihm sei, klingt dann doch eher nach Zweckoptimismus. Echte Titelkandidaten sehen jedenfalls anders aus.

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