Sport : Durchs Bild gelaufen

Hellmut Krug

Es läuft die 48. Spielminute in Frankfurt. Direkter Freistoß für Werder Bremen 25 Meter vor dem Tor. Naldo trifft direkt zum 4:1 für Werder, die Frankfurter protestieren. Ivan Klasnic soll am Strafraum ins Abseits gelaufen und Torhüter Markus Pröll dabei die Sicht genommen haben. Wie weit muss ein Spieler entfernt sein, um den Torwart nicht zu irritieren, Herr Krug?

Bei der Bewertung, ob ein im Abseits stehender Spieler dem Torwart die Sicht nimmt, spielt die Entfernung zum Tor keine Rolle. Entscheidend ist, wie nah der Ball an dem Spieler vorbeifliegt und ob er demzufolge irritierend eingreift. Der Schiedsrichter verlässt sich dabei in der Regel auf seinen Assistenten. In diesem Fall hätte der Assistent Abseits signalisieren müssen. Denn Klasnic stand nicht nur im Abseits, er behinderte, wenn auch nur für Sekundenbruchteile, klar die Sicht des Torwarts. Allerdings sind derartige Situationen für Assistenten sehr schwer zu beurteilen, da von der Seite das Gefühl für die Tiefe fehlt oder, anders ausgedrückt, dafür, wie nah sich Spieler und Schusslinie sind. Wäre sich Assistent Christoph Bornhorst seiner Sache nicht sicher gewesen, hätte er nach der Torerzielung zunächst stehen bleiben können anstatt zur Mitte zu laufen. Dann hätte Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer mit ihm Kontakt aufnehmen können. Der Schiedsrichter kann aus seiner Position häufig besser sehen, wie nahe sich Ball und Spieler sind. Diese Informationen in Verbindung mit der vom Assistenten wahrgenommenen Abseitsstellung im Moment des Torschusses hätte noch zu einer Annullierung des Tores führen können. Der Assistent ging aber direkt zur Mittellinie. Daher gab es für den Schiedsrichter keinen Grund, die Entscheidung anzuzweifeln und sich mit dem Assistenten auszutauschen.

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