Sport : „Echt deppert, dieser Fehler“

Warum Maria Riesch beim Riesenslalom in Sölden stürzte – und warum andere mehr Glück hatten

Jörg Köhle[Sölden]

Wenn Maria Riesch stürzt und danach ein Weilchen im Schnee liegen bleibt, kann man sich als Beobachter gleich größte Sorgen machen. Ihre Vorgeschichte mit zahlreichen Verletzungen ist lang und enerfreulich, doch diesmal ging bald ihr Daumen nach oben, zum Zeichen der Entwarnung. „Nix passiert“, rief sie im Ziel. Schmerzlich genug war allerdings, dass ihr Skitag in Sölden, der sich mit Platz fünf zur Halbzeit des Riesenslaloms so prächtig angelassen hatte, ein bitteres Ende auf dem Hosenboden finden musste. „Echt deppert, dieser Fehler, mich ärgert das so arg, dass ich am liebsten gleich noch mal runterfahren würde“, sagte Maria Riesch. Immerhin rettete Kathrin Hölzl gestern einen Top-Ten-Platz für die deutschen Frauen, indem sie Rang acht aus dem ersten Durchgang verteidigte und einmal mehr bewies, dass sie im Riesenslalom konstant zu den Besten der Welt gehört.

Nach einer Herzmuskelentzündung während der vergangenen Saison ließ sich die WM-Sechste im Sommer die Mandeln als vermutliche Ursache entfernen und fühlt sich nun wieder topfit. Die Hoffnung auf einen vorderen Platz aber zerschlug sich auch für Hölzl, oben auf dem Siegerpodest standen die siegreiche Südtirolerin Denise Karbon, die Zweite Julia Mancuso (USA) und Kathrin Zettel aus Österreich. Der jungen Kreutherin Viktoria Rebensburg gelang mit Rang 18 bei ihrer Premiere am Rettenbachgletscher ein recht achtbares Debüt.

Platz 8 und Platz 18 – glücklich machte den deutschen Cheftrainer Mathias Berthold diese Bilanz nicht gerade. „Für unser Leistungsvermögen ist das zu wenig.“ Der Vormittag hatte auch bei ihm größere Hoffnungen geweckt – vor allem wegen Rieschs fünftem Rang. Nur 47 Hundertstel trennten die Garmisch-Partenkirchenerin von der Führenden Tanja Poutiainen (Finnland).

Doch dann kam dieses Tor, nicht weit vor dem Ziel, gerade als sie sich vornahm, „noch mal richtig Gas“ zu geben, wie sie später sagte. Sie hatte den Innen-Ski verschnitten, ihre Schräglage war nicht mehr zu korrigieren und ein Sturz unvermeidbar. „Ein klassischer Fahrfehler“, sagte Alpindirektor Wolfgang Maier, „so was passiert immer mal wieder.“ Und Berthold merkte an: „Der ganze Lauf war schon nicht ganz sauber.“ Für ein einstelliges Ergebnis hätte das trotzdem gereicht.

Auch Viktoria Rebensburg bekam Kritik zu hören. Erfreulich fand Berthold allerdings, dass seine jüngste Fahrerin „trotz zweier schlechter Fahrten“, dem ganzen Rummel in Sölden und einem unerwarteten Skiproblem noch Punkte einfuhr. Am Tag vor dem Rennen hatten Diebe in Sölden ihr Unwesen getrieben und 21 Paar Rennski aus den Skikellern verschiedener Hotels geklaut, darunter waren alle von Rebensburg. „Das war schon ein Schock“, sagte die 18-Jährige. Sie musste sich dann im Rennen mit einem Ersatzmodell zurechtfinden. Es fehlten „manche Details im Fein-Tuning“, erklärte sie hernach, und meinte damit nicht nur das Material.

Andere fanden die perfekte Abstimmung, zum Beispiel die Niederösterreicherin Kathrin Zettel bei ihrer fulminanten Aufholjagd von Platz 24 auf drei. Und das gelang ihr ausgerechnet beim Comeback-Rennen nach einem Schienbeinkopfbruch. Überwältigt von den Gefühlen und ihrem Glück brach sie vor laufender Kamera in Tränen aus: „Ich halte das nicht aus.“

Denis Karbon ging es ähnlich. Die Signora aus Kastelruth hatte sich im März Wadenbein und Sprunggelenk gebrochen, jetzt feierte sie den zweiten Sieg ihrer Karriere, und dachte dabei auch an die Probleme im italienischen Skisport, von dem man seit Jahren hört, er sei pleite. Ebenso wie deutsche Sender hatte auch das italienische Fernsehen nicht aus Sölden übertragen. „Schade, dass das Interesse in Italien sehr gering ist. Ich hoffe, dass mein Sieg dazu beiträgt, dass es wieder steigt“, sagte Denise Karbon. So etwas hätte Maria Riesch nach einem Podestplatz bestimmt auch gern gesagt.

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