Sport : Ecstasy im Spiel

Ein Assistent bei der Zweitliga-Partie Oberhausen – Osnabrück fiel in der Pause krank aus. Nun wird bekannt: In seinem Blut waren Amphetamin-Spuren

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Was nun? Die Trainer Jürgen Luginger (Oberhausen, l.) und Claus-Dieter Wollitz (Osnabrück) diskutieren mit dem Schiedsrichter-Assistenten Christian Leicher (r.), wie es weitergeht, nachdem Leichers Assistenten-Kollege krank ausgefallen ist. Foto: dpa
Was nun? Die Trainer Jürgen Luginger (Oberhausen, l.) und Claus-Dieter Wollitz (Osnabrück) diskutieren mit dem...Foto: picture-alliance/ dpa

Berlin - Carlos Prada hatte es sich gemütlich gemacht auf der Haupttribüne. Es war Freitagabend, vor ihm lief im Stadion am Niederrhein in Oberhausen das Zweitliga-Fußballspiel Oberhausen – Osnabrück, und Prada, Schiedsrichter-Assistent der Niederrhein-Liga, genoss die Partie. Bis zur zweiten Halbzeit. In der stand er plötzlich als Linienrichter II, zuständig für die Gegengerade, auf dem Platz und winkte bis Spielschluss.

Der etatmäßige Assistent hatte in der Pause Kreislaufprobleme, er musste aufhören, über Lautsprecher wurde Ersatz gesucht, Prada meldete sich. Dass er für die Zweite Liga formell gar nicht qualifiziert war, dass ihm die hektisch geliehenen Schuhe nicht passten – egal, irgendwie musste es ja weitergehen.

So war das am 20. März 2009. Routine so weit.

Doch jetzt wird bekannt, weshalb der Assistent wohl auch Kreislaufprobleme hatte, und da endet die Routine. Nach Unterlagen, die dem Tagesspiegel bekannt sind, litt der Assistent möglicherweise auch unter den Folgen von Ecstasy-Konsum. In seinem Blut wurde dieses Aufputschmittel diagnostiziert, das steht fest. Es geht eindeutig aus den Unterlagen hervor. Und Ecstasy, ein Klassiker bei passionierten Diskogängern, steht auf der Dopingliste. Der betroffene Assistent sagte gestern nur: „Kein Kommentar.“

Er soll intern erklärt haben, er habe kein Ecstasy genommen, sondern nur einen Energydrink getrunken. Die chemischen Spuren des Getränks, das er genannt haben soll, sind aber völlig anders als die von Ecstasy. Nach übereinstimmenden Aussagen von Beobachtern hatte der Assistent bis zum Ausfall keine merkwürdigen Entscheidungen getroffen. Bei Schiedsrichtern und ihren Assistenten gibt es offiziell keine Dopingkontrollen.

Der Assistent ist vom Stadion direkt zum Klinikum Essen gebracht worden, dort wurden dann bei einer Analyse des Blutes die Spuren des Amphetamins festgestellt. Der Befund ist eindeutig. Günter Perl leitete die Partie in Oberhausen, er hatte den Assistenten im Krankenhaus besucht. Auf Nachfrage sagte er: „Ich weíß nichts davon, dass Spuren von Ecstasy gefunden sein sollen.“ Ecstasy könne süchtig machen und in großer Dosis zu Organschäden führen, sagt der Dopingexperte Fritz Sörgel, Leiter des Instituts für pharmazeutische Forschung in Nürnberg.

Auf die offizielle Ebene des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) kam der Fall nicht. Der wusste wegen des Arztgeheimnisses nichts von dem Befund. Und der betroffene Assistent meldete sich im Anschluss an die Partie krank und war bis Saisonende nicht mehr im Einsatz. Vor der Saison 2009/2010 teilte er dann mit, dass er seine Laufbahn beenden wolle.

Offizielles Thema beim DFB, abseits der Routine, war der Assistent allerdings 2007. Denn am Abend vor einer Regionalliga-Partie in Süddeutschland, bei der er als Linienrichter eingeteilt war, wurde er nachts in einer Diskothek gesehen. Das wurde dem DFB offiziell gemeldet, daraufhin durfte der Assistent für den Rest der Saison nur noch Pflichteinsätze absolvieren. Partien, für die er zusätzlich eingeteilt war, wurden ihm gestrichen.

Als klassisch überführter Dopingsünder ist ein Schiedsrichter kurz nach der Wende mal aufgefallen. Entlarvt wurde er allerdings auf skurrile Weise und durch eigene Schuld. Der Unparteiische aus Leipzig hatte eine Oberliga-Partie geleitet, die noch unter der Regie des DDR-Verbandes lief. Und er hatte korrekt, ohne große Aufregung, gepfiffen. Die Aufregung kam später. Denn ein Spieler musste nach Abpfiff zum Dopingtest, hatte aber, dehydriert wie er war, Probleme, genügend Urin abzugeben. Da griff der Schiedsrichter ein, weshalb auch immer. Er füllte, vom Kontrolleur unbemerkt, das Uringlas. Im Dopinglabor meldeten die Analytiker kurz darauf einen Volltreffer: Die Probe war positiv.

Der DFB wusste nichts davon, für den agierte der Schiedsrichter später als Assistent in der Zweiten Liga. Aber nur eine Saison. Dann erfuhr der DFB von der positiven Probe und löste das Problem ohne großes Aufsehen: Der Unparteiische wurde einfach nicht mehr nominiert.

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