Sport : EHC Eisbären: Bis auf weiteres

Claus Vetter

Glen Williamson muss von Bord gehen, und ein neuer Lotse ist bereits gefunden: Trainer beim EHC Eisbären ist seit Freitag Uli Egen. Der 44-Jährige ist ein bekanntes Gesicht im Berliner Osten. Egen hat seit der Vorsaison die zweite Mannschaft, die Eisbären Juniors, betreut. Bereits gestern beim Berliner Derby in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zwischen Eisbären und Capitals (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet) nahm der 62-fache Nationalspieler im Sportforum Hohenschönhausen den Platz hinter der Bande ein. Egen zur Seite stand Hartmut Nickel, der den neben Williamson beurlaubten Kotrainer Rich Gosselin ersetzt.

Egen ist nach Peter John Lee, Kent Forsberg und Williamson schon der vierte Trainer, den die Eisbären in diesem Jahr unter Vertrag genommen haben. Kandidat Nummer drei hatte es besonders schwer. Seit Williamson zu Saisonbeginn das Traineramt beim EHC übernahm, war der Kanadier umstritten. Williamson war mit bescheidenen Referenzen nach Berlin gekommen, sein größter Erfolg als Trainer war der Gewinn der Japanischen Meisterschaft mit dem Seibu Railway Team aus Tokio. Bei den Eisbären wirkte er von Anfang an überfordert. Doch obwohl der Zug nach wenigen Spieltagen schnurstracks Richtung Tabellenkeller steuerte, sahen sich die Verantwortlichen lange Zeit nicht in der Lage, die Weichen umzustellen. Als der Generalbevollmächtigte Martin Müller und Manager Peter John Lee die Demission Williamsons längst beschlossen hatten, kam das Stoppzeichen vom obersten Boss aus Nordamerika: Der Eisbären-Eigner, die Anschutz-Gruppe aus Denver, stellte sich quer - bis Donnerstag.

Da war die Beurlaubung des Eisbären-Trainers bereits beschlossene Sache. Williamson wusste bis zum Freitagmorgen von seinem Schicksal nichts, andere gingen vorher im Umfeld der Eisbären schon mit der Neuigkeit hausieren. Man mag über Williamsons Fähigkeiten als Trainer geteilter Meinung sein, aber hat er einen derartigen Abgang verdient? Viele werteten den Stil der Eisbären als peinlich, mag die offizielle Stellungnahme zur Beurlaubung des Trainers noch so verständlich sein. "Wir haben mit Williamson viel Geduld gehabt", sagte Martin Müller. "Die erhofften Impulse aber sind ausgeblieben und die Play-offs in weite Ferne gerückt. Nach der Deutschland-Cup-Pause wollten wir angreifen, stattdessen war das Spiel in Augsburg ein weiterer Rückschritt."

Beim Tabellenletzten hatten die Berliner am Dienstag mit 5:8 verloren, zur gleichen Zeit hielt sich Uli Egen in der Eissporthalle Jafféstraße auf, verfolgte das Spiel der Capitals gegen München - noch nicht in dem Wissen, dass er Williamson drei Tage später beerben sollte. Erst in den späten Abendstunden des Donnerstags war Egen zur Eisbären-Geschäftsstelle zitiert worden. Viel Zeit zum Nachdenken blieb ihm nicht. "Wir haben uns darauf geeinigt, dass ich die Mannschaft bis auf weiteres betreue", sagt Egen. "Am Montag setzen wir uns dann noch mal zusammen und sehen weiter."

Egen, als Spieler unter anderem für den Capitals-Vorgängerverein BSC Preussen aktiv, ist durchaus prominent in der deutschen Eishockey-Branche. Als Manager der Kassel Huskies hat er in der höchsten Spielklasse mehr Erfahrung gesammelt als sein Vorgänger Williamson. Im Trainergeschäft aber ist er neu. Vor einem Jahr hatte er sich die Förderung des deutschen Nachwuchses auf die Fahnen geschrieben. Seinen Job als Trainer der Eisbären Juniors möchte Egen trotz der neuen Stelle als Cheftrainer der DEL-Mannschaft nicht vernachlässigen. So weit möglich werde er weiter das Training des Drittligisten leiten, sagt Egen. Bei den Oberliga-Spielen der Juniors steht - um im Eisbären-Jargon zu bleiben - "bis auf weiteres" Kotrainer Harald Kuhnke hinter der Bande.

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