Sport : EHC Eisbären: "End zän: Schott"

Claus Vetter

Uli Egen fuchtelt mit einem Filzstift an der Plastiktafel herum. Der Trainer des EHC Eisbären synchronisiert die Anweisungen in flottem Allgäuer Englisch. "End zän", sagt der Füssener Egen, "Schott". Schießen sollen sie, die neuen Eisbären. So gut, dass es nach zwei enttäuschenden Jahren in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) wieder für die Play-offs reicht.

Die Tafel hängt an der Plexiglas-Bande im Erika-Hess-Stadion. Nur selten geht es auf der Eisfläche im Bezirk Wedding so laut zu wie an diesem Morgen: An sich sind die Eisbären fest im Ostberliner Bezirk Hohenschönhausen verankert. Doch blockieren Renovierungsarbeiten das Sportforum bis zum 27. August, der EHC muss vorübergehend in den nördlichen Berliner Westen ausweichen. Eine undankbare Situation, wird doch sonst der Trainingsauftakt immer von fanfreundlichem Brimborium begleitet. Diesmal ist das anders, rund 300 Fans geben mit einem Marsch gen Rotes Rathaus dem für die Renovierung zuständigen Senat zu verstehen, was sie vom temporären Exil halten. Auf den Tribünen im Eisstadion Wedding hat sich nur ein halbes Dutzend Anhänger eingefunden, als Egen und Co. überpünktlich - um 9.29 statt um 9.30 Uhr - das Eis betreten wollen. Sie werden zurückgepfiffen, in Wedding darf man erst aufs Eis, wenn es der Eismeister verlassen hat.

Vorher hat Egen seinen Cracks Nachhilfe in Sachen deutsche Eishockey-Gepflogenheiten gegeben. Sieben der zehn neuen Spieler kommen aus Nordamerika und kennen die DEL noch nicht. Aufwärmen? "Außerhalb des Eises. Da fragen mich die Neuen warum", sagt Egen. "Weil Eiszeit in Deutschland teuer ist, habe ich denen gesagt. Wir können vorher nicht groß rumdaddeln." Es wird denn auch nicht gedaddelt, auf dem Eis geht es hart zur Sache. "Man merkt sofort, wer im Sommer was gemacht hat und wer nicht", sagt Egen, "aber ich bin zufrieden, die Mannschaft macht einen sehr guten Eindruck." Exakt um elf Uhr, auf die Minute genau knipst der Eismeister das Licht aus. So ist das nun mal in Wedding. Wenn Schluss ist, ist Schluss.

Peter John Lee hat andere Sorgen. Mit einem bunten Stapel von Ausweisen wirbelt der Manager über die Tribüne. Zehn deutsche, neun kanadische, drei US-amerikanische und ein schwedischer Spieler sind im neuen Kader, nur leider sich noch nicht alle da. Ed Patterson aus Kanada und der US-Amerikaner Keith Aldrige stoßen erst in Genf zum Team, wo der EHC heute sein Trainingslager aufschlägt. Der neue Torwart Richard Shulmistra kommt später. Er hat sein Flugticket noch nicht bekommen, der Kurierdienst ist Schuld. Abgesehen davon scheint beim EHC alles perfekt organisiert. Die Fans werden mit Festivitäten über den ortsfremden Trainingsauftakt hinweggetröstet, die neuen Spieler lernen schnell dazu. "Wie lautet unser Dresscode für die Reise nach Genf?", fragt David Roberts seinen Manager. Lee lacht, antwortet seinem neuen Stürmer aus den USA: "T-Shirt und so."

In Genf wird es straffer zugehen. Angeblich will Philip Anschutz, Milliardär aus Denver und Eigner des EHC, am kommenden Wochenende in der Schweiz vorbeischauen. Dann werden sich die Berliner mit vier zum Anschutz-Imperium gehörenden Teams - London Knights, Servette Genf, Sparta Prag und München Barons - bei einem Turnier messen.

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