Sport : Ehrliche Entscheidung

Michael Rosentritt

Falko Götz bleibt Trainer von Hertha BSC. Es gab schon schlechtere Nachrichten für den Fußball-Bundesligisten. Das Erstaunliche ist, dass Herthas Vereinsspitze erst jetzt, nach den Niederlagen gegen den Vorletzten und den Letzten der Liga, dem 12. und 13. sieglosen Spiel in Folge, zu einem klarem Bekenntnis zu seinem Trainer durchringt. Die Argumente, die jetzt für Götz ins Feld geführt werden, sind prinzipiell dieselben, die auch schon vor zwei Wochen ihre Berechtigung gehabt hätten. Doch damals hatte der Verein noch keinen Mut zur Ehrlichkeit.

Ob mit einem früheren Bekenntnis zu Götz die beiden letzten Niederlagen hätten verhindert werden können, ist jetzt nicht mehr wichtig. Die Spieler wissen nun endlich, woran sie sind. Sie haben die Bestätigung, dass ihr Engagement – das man ihnen in den Spielen gegen Duisburg und Köln nicht absprechen konnte – nicht umsonst war.

Mit dem Bekenntnis zu Götz hat sich der Verein offiziell vom Saisonziel Europapokal verabschiedet. Zwar ist der fünfte Platz noch in erreichbarer Nähe, aber die Mannschaft befindet sich in einem gefährlichen Abwärtssog, dem zu entkommen sehr schwer fallen wird. Vermutlich hätte nur ein neuer Trainer der Impuls sein können, der für eine schnelle Kehrtwende nötig ist. Doch den kann sich Hertha BSC nicht leisten.

Auch wenn die Entscheidung in die wirtschaftlichen Zwänge des Vereins passt, so hat sie auch etwas Charmantes. Der Verein ist endlich bescheiden geworden und damit so realistisch wie schon seit Jahren nicht mehr.

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