Sport : Eier gegen den Ersten

Alberto Contador erhitzt beim Giro die Gemüter

Tom Mustroph
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Berlin - Alberto Contador spaltet in Italien die Radsportfans. Während einige Zuschauer den spanischen Radprofi auspfeifen und sogar mit Feuerzeugen und Eiern bewerfen, weil sie in ihm den Schuldigen für die Absage der Abfahrt vom Monte Crostis sehen und ihn zudem als Dopingsünder betrachten, feiert die vom Giro-Organisator RCS herausgegebene Zeitung „Gazzetta dello Sport“ den Spanier sogar als Superhelden. „Er tritt in die Galerie der Giganten ein“, schrieb das Sportblatt.

Dabei haftet an Contadors Leistung ein großer Makel. Gegen ihn ist ein Dopingverfahren anhängig, doch im Gegensatz zu anderen Radprofis in ähnlichen Umständen ist der Spanier nicht vorsorglich vom Giro d’ Italia ausgeschlossen worden. „Er hätte eigentlich gar nicht hier sein dürfen“, sagte der schwedische Profi Thomas Lövkvist. Am 8. Juni wird Contadors Doping-Prozess wegen eines positiven Tests auf Clenbuterol vor dem internationalen Gerichtshof verhandelt. Sollte er verlieren, würde ihm ein möglicher Giro-Sieg aberkannt und dem Zweitplatzierten zugesprochen. Nach der 17. Etappe lag der Italiener Michele Scarponi vom Lampre-Team mit 4:58 Minuten Rückstand auf diesem Rang. Giovanni Visconti wurde dabei nach einem Arm-Rempler gegen Diego Ulissi der Tagessieg von der Jury aberkannt.

Schon am Vortag hatte die Jury eingegriffen und Contadors Mechaniker Faustino Munoz auf die vorzeitige Heimreise geschickt. Dieser wollte beim Zeitfahren von Belluno nach Nevegal am Dienstag beobachtet haben, wie ein Zuschauer zum Fausthieb auf Contador ausholte. Munoz öffnete daraufhin die Tür des Begleitfahrzeugs und traf einen Zuschauer. „Beim Zeitfahren erhielt Joaquin Rodriguez einen Faustschlag von einem Zuschauer, das Gleiche hatte ein anderer Zuschauer bei Contador vor“, sagte Munoz in der „Gazzetta dello Sport“. Wegen eines Verstoßes gegen die Rennregeln wurde er nun ausgeschlossen und der Fahrzeugführer, Saxo Banks Sportdirektor Philippe Madita, mit einer Geldstrafe von 200 Franken belegt.Tom Mustroph

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