Sport : Ein Akt der Notwehr

von

Es war nur ein Detail am Rande, aber in sensiblen Zeiten können selbst Details eine große Geschichte erzählen. Christian Clemens hatte gerade das 1:0 für den 1. FC Köln gegen Hertha BSC erzielt, seine Kollegen näherten sich zum Jubeln, doch Clemens wies sie entschlossen zurück und startete einen langen Lauf an die Seitenlinie, wo er seinem Trainer in die Arme sprang. Man sollte diese Geste wohl nicht nur als Bekenntnis zu Stale Solbakken verstehen, sondern zwangsläufig auch als Misstrauensvotum gegen Kölns Sportdirektor Volker Finke.

Wenn es denn stimmt, was aus Köln berichtet wird, war die Mannschaft des FC zuletzt in eine Solbakken- und eine Finke- Fraktion gespalten. Insofern war die Entlassung des Sportdirektors ein Akt der sportlichen Notwehr, auch wenn der FC damit mal wieder sämtliche Klischees bedient zu haben scheint, die über den Klub kursieren. Doch so einfach, wie es aussieht, ist die Sache diesmal nicht.

Dass sich der FC überhaupt für Finke als Sportdirektor entschieden hat, spricht zumindest für das Vorhandensein eines gewissen Problembewusstseins. Denn wenn es eine Art Anti-Kölner gibt, dann ist es der nüchterne Norddeutsche Volker Finke, dem Heldengetue fremd und der über jeden Klüngelverdacht erhaben ist.

Im Nachhinein lässt sich natürlich leicht sagen, dass die Kombination nicht funktionieren konnte. Aber Finke ist weniger an Köln gescheitert als an Solbakken, den er selbst engagiert hat. Dass der Trainer – trotz dürftiger sportlicher Bilanz – diesmal nicht zur Debatte stand, ist so etwas wie das letzte Verdienst des Sportdirektors Finke. Und dessen ganz persönliche Tragik. Offensichtlich haben sie in Köln endlich kapiert, dass es nichts bringt, immer wieder den Trainer zu entlassen. Wenn man von einer Sache wirklich überzeugt ist, muss man auch mal Stehvermögen beweisen – selbst wenn dafür der Sportdirektor dran glauben muss.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben