Sport : Ein Aufsteiger bleibt im Hintergrund

Hartmut Moheit

Im Mittelpunkt zu stehen, ist für Nick Heidfeld kein Bedürfnis. Aber bei einem Termin wie dem gestern in Berlin, als die Crédit Suisse Group sich mit ihm präsentierte, kann der Mönchengladbacher nicht ausweichen. Das gehört zum Job im Schweizer Formel-1-Rennstall Sauber-Petronas. Wenn einer der Hauptsponsoren des Teams ruft, muss dem der kleine Mönchengladbacher folgen. Nick Heidfeld, der Name verspricht einen guten Zulauf. Auch wenn es in Deutschland nicht leicht ist, gegen die Allgegenwart der Schumacher-Brüder anzukommen. Er wäre jedoch nicht Heidfeld, wenn er Gleiches überhaupt anstreben würde.

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Online-Gaming: meinberlin.de sucht den Formel-1-Champion! Etwas Gutes tun, ohne dass die Öffentlichkeit davon erfährt, das ist dem 24-Jährigen das Liebste. So war es Heidfeld nicht sehr angenehm, als er während des Grand Prix in São Paulo einen halben Tag in einem Projekt für Straßenkinder verbringen wollte, und dann doch Journalisten dabei waren. "Ich muss das nicht haben", verriet er in Brasilien, "das ungezwungene Lachen der Kinder macht mich glücklich." Das sagte ein Jung-Millionär, der seit zwei Monaten am Zürichsee lebt. Andererseits können die Schlagzeilen für ihn nicht groß genug sein, wenn es um die Formel 1 geht. "2002 haben wir immerhin den Weltmeister-Motor von Ferrari in unserem Auto. Davon verspreche ich mir sehr viel", erzählt er in Berlin, wo er 1994 in der Formel Ford schon mal auf der Avus gesiegt hatte.

Mit dem ganz großen Durchbruch in die Formel-1-Spitze hätte es in der kommenden Saison bereits klappen können, wäre nicht in diesem Jahr seinem Team-Kollegen Kimi Räikkönen ein unglaublicher Einstieg gelungen. Bei McLaren-Mercedes war man vom Talent des jungen Finnen derartig angetan, dass er für 2002 als Nachfolger des zweimaligen Champions Mika Häkkinen verpflichtet wurde. Ausgerechnet Räikkönen, der am Anfang der Saison die Superlizenz wegen fehlender Erfahrungen nur auf Bewährung erhalten hatte. Diese Entscheidung traf Nick Heidfeld hart, zumal Mercedes-Sportchef Norbert Haug betonte: "Nick entwickelt sich blendend bei Sauber." Auch dafür steht als Beweis der Brasilien-Grand-Prix in diesem Jahr. Heidfeld hatte dort Platz drei hinter den Branchen-Größen McLaren-Mercedes und Ferrari belegt, den ersten Podiumsrang für einen Sauber-Angestellten seit 1998.

Nick Heidfeld sieht seine Position für 2002 nicht als die eines Trotzkopfes. Äußerlich ist ihm ohnehin nie anzumerken, was im Inneren vorgeht. Lächeln, keine Frage unbeantwortet lassen, aber dennoch nichts Neues preisgeben, dabei wird es bleiben. Er kennt seine Stärken - nach zehntausenden Testkilometern, einem Jahr im konkurrenzunfähigen Prost und nun dem Aufstieg bei Sauber. Das hat Heidfeld laut eigener Homepage die Nominierung als "Newcomer des Jahres" eingebracht, der im Rahmen der ARD-Sportgala am 23. November eine "Victoria" erhalten soll. Damit steht Heidfeld wieder einer jener Auftritte bevor, die er nicht mag.

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