Sport : Ein Aussteiger soll aufklären

Mathias Klappenbach über das WM-Startrecht von Erik Zabel

Mathias Klappenbach

Die WM-Nominierung von Erik Zabel ist ein adäquater Ausdruck dessen, was der Radsport derzeit leisten kann und was er leisten will. Bei der Reinigung und Erneuerung ist er auf sein angestammtes Personal angewiesen und muss ihm Vertrauen schenken, neben einer vorgeblich sauberen neuen Generation gehören auch die mit Schuld beladenen und geläuterten Veteranen zum Neubeginn. Diese Rolle hat Zabel nach seinem Mini-Geständnis gerne angenommen, und die Achtung der Fans für ihn ist danach eher noch größer geworden.

Spätestens seit dem kläglichen Rücktritt Jan Ullrichs ist Zabel das Gesicht des deutschen Radsports. Schon vorher war er verlässlich, das ganze Jahr über bei jedem Sprint vorne im Getümmel und nicht nur alle zwölf Monate bei der Tour de France. Fans und Zuschauer verzeihen diesem Muster an Beständigkeit seinen reumütig gestandenen Ausrutscher und gönnen es ihm, nach seinen famosen 199 Siegen bei der WM die 200 Triumphe vollzumachen. Zudem will Zabel auch in Schulen gehen, um aufzuklären. Das ist gut so, denn nichts ist vor einer Schulklasse wirkungsvoller als die Worte eines Aussteigers aus der rechten Szene oder eines ehemaligen Junkies. Zabel gehört weiter dazu, auch als Symbol dafür, dass man nach einem Fehler wieder aufstehen kann und noch einmal angreifen darf. Soweit ist also alles okay. Und andere Helden der Landstraße sind derzeit ohnehin nicht vermittelbar.

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