Sport : Ein Beitrag fürs Museum

Titelverteidigerin Maria Scharapowa scheitert in Wimbledon an Venus Williams Es war der erste große Rückschlag einer jungen Karriere

Benedikt Voigt[London]

Am meisten dürfte die Museumsdirektorin auf dem Gelände des All England Lawn Tennis Clubs das gestrige Ergebnis begrüßt haben. Sie hat sich in der vergangenen Woche bereits die knielange Tennishose des Spaniers Rafael Nadal als Ausstellungsstück gesichert, nun können früher als erwartet ein Paar vergoldete Tennisschuhe hinzukommen. Mit diesen ist Maria Scharapowa in Wimbledon angetreten, und sie hat bereits versprochen, sie dem Tennismuseum zu überlassen. „Vielleicht kratze ich aber vorher das Gold ab“, sagte die Russin. Für das aktuelle Turnier jedenfalls braucht Scharapowa die Schuhe nicht mehr.

Gestern musste Maria Scharapowa einen Rückschlag in ihrer bisher stetig aufsteigenden Karriere hinnehmen. Die junge Frau aus Sibirien, die mit sieben Jahren beinahe mittellos mit ihrem Vater in die USA ging, um Tennisprofi zu werden, und im vergangenen Jahr mit 17 Wimbledonsiegerin wurde, verlor 6:7, 1:6 gegen Venus Williams. „Ich bin natürlich traurig“, sagte Maria Scharapowa über ihr Ausscheiden im Halbfinale, „dieses Turnier bedeutet mir mehr als jedes andere.“ Die 18-Jährige wollte ihren Titel in Wimbledon verteidigen, den sie im letzten Jahr gegen Serena Williams gewonnen hat. Nach diesem Erfolg ist die Russin zu einer weltweiten Werbe-Ikone aufgestiegen und verdiente allein durch Sponsorenverträge zehn Millionen Dollar. Nun hat sie an gleicher Stelle ihr Saisonziel verfehlt.

Scharapowa unterlag in einem hochklassigen Match einer beeindruckend aufspielenden Venus Williams. „Sie hat großartig gespielt, und ich war einfach heute nicht gut genug“, sagte Scharapowa. Seit 2000 steht stets eine der Williams- Schwestern im Wimbledon-Finale – eine Tradition, die auch in diesem Jahr aufrecht erhalten wird. Nur die Finalgegnerin der an Nummer 14 gesetzten Venus Williams konnte gestern noch nicht gefunden werden: Das zweite Halbfinale zwischen der US-Amerikanerin Lindsay Davenport und der Französin Amelie Mauresmo musste wegen Regens beim Stand von 6:7, 7:6, 5:3 abgebrochen werden.

Im ersten Satz hatte Venus Williams druckvoller begonnen. In dieser Form erinnert die 25-Jährige an die Jahre 2000 und 2001, als sie jeweils in Wimbledon siegte. Nur im ersten Spiel hatte Scharapowa eine Breakchance, danach hatte Venus Williams zu ihrem Aufschlag- und Volleyspiel gefunden. Im sechsten Spiel passierte es schließlich: Venus Williams nahm der Russin den Aufschlag ab zum 4:2. Zwei Spiele später hatte sie sich zwei Satzbälle erarbeitet. Doch nun griff auch Maria Scharapowa an. Sie rückte ans Netz und wehrte mit einem Volley den ersten Satzball ab. Auch die nächsten drei Punkte gelangen der Russin, die plötzlich das Rebreak schaffte. Der erste Satz musste im Tiebreak entschieden werden. Darin leistete sich jedoch Scharapowa die Mehrzahl an Fehlern. Venus Williams verwandelte schließlich ihren dritten Satzball im Tiebreak zum 7:2.

Maria Scharapowa, eigentlich auch eine große Kämpferin, konnte mit dem großen Siegeswillen ihrer Gegnerin nicht mehr mithalten. Sie gab im zweiten Satz zweimal ihren Aufschlag ab, und lag bald 1:4 zurück. Ihre letzte Chance, doch noch zurück ins Match zu finden, hatte sie im folgenden Spiel, als sie noch zwei Chancen zum Break besaß. Doch sie konnte diese nicht nutzen und traf, als sie frustriert einen Ball wegschlug, versehentlich ein Ballmädchen am Netz. „Wer weiß, was passiert wäre, wenn ich das Break geschafft hätte“, sagte Scharapowa.

Am Ende hätte sie nur noch der leichte Regen retten können, der wieder einsetzte, oder Venus Williams, die ihren ersten Matchball ins Aus schlug. Sogar Scharapowa blickte dem eigentlich leichten Volley bei seinem Weg hinter die Linie ungläubig nach: „Das war ein bisschen lustig, das Match war eigentlich vorbei.“ Den zweiten Matchball aber setzte die Russin gleich selber ins Aus. Venus Williams hüpfte begeistert auf und ab.

Womöglich ist die Niederlage ein Ansporn für Scharapowa, noch härter zu arbeiten, als sie es ohnehin schon macht. „Es kommen noch einige Jahre“, sagte sie, „ich werde alles tun, was ich kann, um diese Trophäe wieder hochzuhalten.“

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