Ein Berliner für die USA : Eisbären-Stürmer Backman und der Traum von Olympia

Der Olympia-Verzicht der NHL ist die Chance für Eisbären-Stürmer Sean Backman: Am Sonntag spielt er beim Deutschland Cup mit den USA gegen die Deutschen.

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War dann nicht so gut. Backmann (hinten) im Duell mit den Nürnberger Yasin Ehliz. -
War dann nicht so gut. Backmann (hinten) im Duell mit den Nürnberger Yasin Ehliz. -Foto: dpa

Das hat sich Sean Backman selbst zuzuschreiben: Während die meisten seiner Kollegen von den Eisbären Berlin aufgrund der Länderspielpause der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) eine Woche frei haben, muss der 31 Jahre alten US-Amerikaner arbeiten. Denn mit herausragenden Leistungen in den vergangenen Wochen verdiente er sich die Nominierung für die Nationalmannschaft seines Heimatlandes. Am Sonntag spielt er beim Deutschland Cup nun gegen die deutsche Mannschaft (16.45 Uhr, live auf Sport 1).

Zum Auftakt des Vier-Länder-Turniers hatten die USA gegen die slowakische Auswahl noch 1:2 verloren, erst am Sonnabend gegen Russland kam er zu seinem Debüt. Für Augsburg verzichtet er gerne auf eine Pause. „Das ist etwas ganz Besonderes für mich“, sagte er, „ich hätte nie gedacht, dass ich die Chance bekommen würde, das rot-weiß-blaue Jersey zu tragen.“ 

Um in den Fokus des nationalen Verbandes zu rücken, musste Backman erst die Heimat verlassen. Im Sommer kam er von Ontario Reign, dem in der zweitklassigen American Hockey League (AHL) spielenden Farmteam der Los Angeles Kings, nach Berlin. Sein Wechsel galt als erstes Resultat der im Frühjahr vereinbarten engeren Kooperation zwischen den Eishockey-Teams der Anschutz-Gruppe. Bei den Eisbären machte er sich schnell unentbehrlich: Mit 13 Treffern in zwanzig Saisonspielen ist er aktuell der erfolgreichste Torjäger der gesamten Liga. Am vergangenen Freitag stellte er sogar einen Vereinsrekord ein: Tore in sieben aufeinanderfolgenden DEL-Spielen waren zuvor nur der Klub-Legende Steve Walker in der Saison 2007/8 gelungen. 

Mit der Ehre für das Team USA zu spielen, hatte Backmann nicht mehr gerechnet

Weil er zuletzt in deutschen Eishallen glänzte, darf Backman nun mit Anfang dreißig doch noch das Nationaltrikot überstreifen. Traditionell besteht die US-Auswahl beim Deutschland Cup aus den besten Profis, die in Europa ihr Geld verdienen. Zu denen zählten die Verantwortlichen nun auch Backman: „Es gibt immer eine lange Liste von Spielern, die sie beobachten, glücklicherweise gehörte ich dazu. Mein guter Saisonstart hier hat mir sicher geholfen.“ Bemerkenswert schnell gewöhnte er sich an die größeren Eisflächen, auf denen in Europa gespielt wird. Sie kommen dem eher kleinen, aber läuferisch und technisch starken Angreifer sogar entgegen: „Hier hat man mehr Raum und Zeit, um im Angriff etwas mit dem Puck anzufangen. Das hilft mir ganz sicher“, sagte er. 

Doch Backman ist nicht nur ein überragender Solist. Er ist vor allem Teamspieler. So hob er den  Anteil der neuen Kollegen an seinem Blitzstart in Berlin hervor: „Sie haben mir sehr geholfen.“ Besonders lobte er seine Reihenpartner James Sheppard und Nick Petersen: „Das sind großartige Spieler, die mir den Puck genau richtig vorlegen.“ Teamgeist bedeutet für Backman aber viel mehr, als nur Komplimente an die aktuellen Nebenleute zu verteilen: „Wenn man in einer Mannschaft spielt, entwickelt man eine besondere Verbindung zu seinen Mitspielern. Die hält für immer“, sagte er. So freut er sich nun darüber, beim Nationalteam alte Freunde aus Nordamerika wiederzusehen, die es ebenfalls nach Europa verschlagen hat. 

Mit ihnen teilt er ein großes Ziel. Denn in Augsburg geht es für die US-Profis diesmal um weit mehr als den Turniersieg: Weil die National Hockey League (NHL), in der die Topstars des Landes spielen, im kommenden Februar erstmals seit 1994 keine Spieler zu den Olympischen Winterspielen entsenden wird, muss der US-Verband den Kader für Pyeongchang mit Auslandsprofis bestücken. Den Deutschland Cup hat er zum Schaulaufen für mögliche Kandidaten erkoren. So haben nun auch Spieler wie Backman, die in Nordamerika nie wirklich im Rampenlicht standen, realistische Aussichten, ihr Land auf der größten Bühne des Wintersports zu vertreten. Dafür bräuchte er aber nicht nur gute Auftritte am Wochenende, sondern auch weiterhin starke Leistungen in der DEL. „Hoffentlich kann ich so weitermachen wie bisher“, sagte er. Die Eisbären würde es freuen. 

Anmerkung: Backman kam dann für die USA gegen Russland (2:5) und gegen die Deutschen (1:5) zum Einsatz.


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