Sport : Ein bisschen Spaß muss sein

Von Bierduschen und anderen Abkühlungen

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Auf seiner Ehrenrunde hatte der FC Bayern München unerwartet Gegenverkehr. Während die neuen Pokalsieger im Uhrzeigersinn durch das Olympiastadion tanzten, machte sich eine kleine Herrengruppe auf den Weg in die entgegengesetzte Richtung. Bundespräsident Horst Köhler, der zuvor den Pokal überreicht hatte, machte sich mit seinem Gefolge auf in die Kurve des Verlierers. Köhler hatte eine kleine, zusammengerollte SchalkeFahne in der Hand und klatsche unrhythmisch in die Ränge der blau-weißen Fangemeinde. Das hob deren Stimmung jedoch nicht merklich.

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Die Meisterfeier vor vier Wochen hatte Bayerns Manager Uli Hoeneß unbeschadet überstanden. Diesmal aber war es so weit. Als das große Bier-über-den-Kopf-Geschütte fast beendet war und Hoeneß sich in Sicherheit wähnte, kam Hasan Salihamidzic angeschlichen. Hoeneß war nicht mehr besonders aufmerksam, und der Bosnier verhielt sich sehr geschickt – er blieb im toten Winkel des Managers. Vor seinem Bauch schleppte der Schütze des Siegestores ein randvolles Weißbierglas. Erst spät witterte Hoeneß die Gefahr. Er konnte sich noch halbwegs ducken und dem großen Schwall entkommen. Ein gutes Drittel aber traf ihn auf dem Rücken. Danach fielen sich beide in die Arme.

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Es war nicht besonders viel, was bei den Schalkern zusammenlief. Eine Torchance hatte die Mannschaft in 90 Minuten, bei wohlwollender Betrachtung. Kein Wunder, dass sich die eleganteste Aktion der Schalker abseits des Spiels zutrug. Nach seinem Elfmetertor zum 1:1 zauberte Lincoln eine brasilianische Fahne aus seiner Hose hervor und lief jubelnd in die Fankurve. Wenigstens der Mittelfeldspieler hatte sich also bestens auf alle Eventualitäten vorbereitet.

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Die 62. Spielminute lief. Es war ungefähr die Zeit, als das Finale seinen Tiefpunkt erlebte. Die Teams fahrig, ruppig und ohne Präzision. Es war immer noch heiß, die Zuschauer schwitzten, die Spieler brauchten Wasser. Und es kam! Plötzlich gingen zwei Rasensprenger an. Das Publikum johlte, die Spieler duschten, und die Stadionregie spielte einen musikalischen Klassiker von Roberto Blanco ein: „Ein bisschen Spaß muss sein …“ Die Fans amüsierten sich, und nach einer Minute ist der nette Spuk vorbei. Vielleicht erinnerte sich mancher Zuschauer aber auch an den 28. April 1999. Damals verlor die deutsche Nationalmannschaft in Bremen gegen Schottland 0:1. Mitten im Spiel fiel das Flutlicht aus, es wurde dunkel. Auch damals erklang Roberto Blancos Liedchen …

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In der Kurve der Bayern wurden alle Fahnen geschwenkt, gelacht, gesungen: „FC Bayern, Stern des Südens. Du wirst niemals untergeh’n.“ Das Bayern-Lied dröhnte durch die Nacht. Auf der Anzeigetafel sah man plötzlich das Olympiastadion von oben, wie es hell und weise leuchtete. Im Block N auf der Gegentribüne im Unterring, wo unter anderem Moderator Kai Pflaume saß und mit den Bayern feierte und tanzte, blickten ein paar Fans aus München versonnen nach oben. Für einen kurzen Augenblick schien es einigen, als leuchtete dort die neue Münchner-Allianz-Arena. Dann bemerkten die Münchner ihren Irrtum, guckten sich an und nickten anerkennend. Dieses Olympiastadion in Berlin hat Flair, hat Ausstrahlung, und macht Sinn für emotionale Momente. Wenn es voll ist und die Fans feiern. Bei Hertha BSC ist das leider nicht immer der Fall, und so kommt die wahre Pracht des renovierten und restaurierten Stadions viel zu selten zur Geltung. Das ist schade. sth/ale/miro

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